Sie basiert auf einer ex vivo durchgeführten Geneditierung patienteneigener hämatopoetischer Stammzellen. Durch gezielte Veränderungen im Regulationsbereich des Gens BCL11A wird die Produktion von fetalem Hämoglobin reaktiviert, wodurch die zugrunde liegenden Defekte des β-Globins funktionell kompensiert werden können. Seit 2024 steht die Therapie auch in Österreich für Patient:innen ab 12 Jahren mit transfusionsabhängiger β-Thalassämie oder schwerer Sichelzellkrankheit mit rezidivierenden vaso-okklusiven Krisen zur Verfügung, sofern eine Eignung für eine hämatopoetische Stammzelltransplantation besteht und kein HLA-kompatibler verwandter Spender verfügbar ist.
Einen praxisnahen Einblick lieferten Univ.-Prof. Egle und Dr. Oevermann mit der Vorstellung der ersten österreichischen und deutschen Patient:innen, die mit der CRISPR/Cas9-basierten Therapie behandelt wurden. Beide zeigten auf, dass der Weg zur erfolgreichen Behandlung weit über die eigentliche Geneditierung hinausgeht. Die ersten Herausforderungen bestehen bereits bei der Stammzellgewinnung. Gerade bei Patient:innen mit Sichelzellkrankheit kann die Mobilisierung und Sammlung ausreichender Stammzellmengen einige Apheresezyklen erfordern. Zudem erfolgt nach der genetischen Modifikation der Stammzellen eine myeloablative Konditionierung mit Busulfan, gefolgt von der Reinfusion der bearbeiteten Zellen. Zu den klinischen Herausforderungen zählen dabei die Dauer bis zum zellulären Engraftment, das Risiko für seltene intrakranielle Blutungen bei tiefer Thrombozytopenie sowie akute Nebenwirkungen wie Mukositis oder Langzeitfolgen wie Infertilität.
Die Ergebnisse sind jedoch bemerkenswert: Nach einer einmaligen Intervention kann bei einem Großteil der Patient:innen eine anhaltende Kontrolle der Krankheitsmanifestationen erreicht werden. Im Vordergrund stehen dabei die Transfusionsunabhängigkeit bei stabilen Hämoglobinwerten sowie ein Ausbleiben schwerer vaso-okklusiver Krisen bei Sichelzellkrankheit. Die bisherigen Erfahrungen weisen zudem auf eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität hin. Die Vorträge machten deutlich, dass sich die Behandlung schwerer Hämoglobinopathien derzeit in einem grundlegenden Wandel befindet. Während bisher vor allem lebenslange supportive Maßnahmen, Transfusionen und Komplikationsmanagement im Vordergrund standen, rücken nun krankheitsmodifizierende und potenziell kurative Therapiestrategien in den Fokus. Auch wenn Langzeitdaten zur Dauerhaftigkeit des Therapieerfolgs und zur Sicherheit weiterhin benötigt werden, markieren die aktuellen Ergebnisse einen Meilenstein in der Behandlung von Sichelzellkrankheit und transfusionsabhängiger β-Thalassämie.