Hausärzt:in 05/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Fortführung des PAIS-Referenzzentrums?

Die Fortführung des 2024 eingerichteten Nationalen Referenzzentrums für postvirale Syndrome (PAIS) an der MedUni Wien ist wohl über die aktuelle Vertragslaufzeit hinaus vorgesehen. Der Vertrag endet eigentlich im Herbst 2027, die weitere Finanzierung ist laut Gesundheitsstaatssekretariat aber bereits budgetiert.

Postakute Infektionssyndrome sind in den vergangenen Jahren, insbesondere im Zuge der COVID-19-Pandemie, verstärkt in den Fokus gerückt. Long- und Post-Covid-Verläufe haben zur erhöhten Wahrnehmung dieser Krankheitsbilder beigetragen, deren schwerste Ausprägung die Multisystemerkrankung ME/CFS darstellt.

Bei postakuten Infektionssyndromen (PAIS), insbesondere ME/CFS und Post‑Covid, besteht in Österreich aber weiterhin ein erheblicher Versorgungs- und Forschungsbedarf. Ehemalige Gesundheitsminister:innen (Rudolf Anschober, Johannes Rauch, Maria Rauch-Kallat sowie Andrea Kdolsky) wiesen kürzlich auf einer Pressekonferenz auf strukturelle Defizite hin, die sich direkt auf Diagnose, Behandlung und sozialrechtliche Anerkennung auswirken. Ausgangspunkt ist eine im Mai 2024 gestartete Initiative der Österreichischen Gesellschaft für ME/CFS (ÖG ME/CFS), die Mindestmaßnahmen zur Verbesserung der Versorgungssituation fordert und sich sowohl an die Politik als auch an die Sozialversicherungsträger richtet.

Dabei wurden auf erhebliche Defizite in der Versorgungslandschaft hingewiesen. Problembereiche sind z.B.:

  • Unzureichende Versorgungsstrukturen: Es fehlt flächendeckend an spezialisierten, interdisziplinären Anlaufstellen und klar definierten Behandlungspfaden.
  • Wissensdefizite: Begrenzte Kenntnisse über Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie führen zu Verzögerungen und Fehldiagnosen.
  • Fehlinterpretationen: ME/CFS und verwandte Krankheitsbilder werden teilweise noch fälschlicherweise als psychosomatische Störungen eingeordnet, was zu Stigmatisierung und inadäquater Behandlung führen kann.
  • Schwierigkeiten in der Begutachtung: Mangelndes medizinisches Verständnis spiegelt sich auch in sozialmedizinischen Bewertungen wider (z. B. bei Invaliditätspension, Pflegegeld).

Der nationale PAIS-Aktionsplan wurde bereits unter Gesundheitsminister Rauch erarbeitet und Ende 2024 präsentiert, jedoch fehlt bislang der für eine verbindliche österreichweite Umsetzung notwendige Beschluss der Bundes-Zielsteuerungskommission. 

Die Petition der ÖG ME/CFS formuliert konkrete verbindliche Mindestanforderungen. Dazu zählen insbesondere der Aufbau spezialisierter, interdisziplinärer Versorgungsstrukturen in allen Bundesländern, die systematische Verankerung von PAIS in der Aus-, Fort- und Weiterbildung im Gesundheitswesen sowie Verbesserungen in der sozialmedizinischen Begutachtung. Gefordert werden unter anderem unabhängige und qualitätsgesicherte Begutachtungsstellen sowie transparente Beschwerdemöglichkeiten bei sozialrechtlichen Entscheidungen. Ergänzend wird eine koordinierte nationale Forschungsoffensive sowie die langfristige finanzielle Absicherung des Referenzzentrums verlangt.

Die derzeitige Vertragslaufzeit des Nationalen PAIS-Referenzzentrums an der MedUni Wien läuft noch bis September 2027. Das Zentrum wurde für drei Jahre mit rund einer Million Euro finanziert und hat die zentrale Aufgabe der Aufbereitung und Weitergabe von Evidenz zu postviralen Syndromen. 

Seitens des Staatssekretariats wurde jetzt erklärt, dass für die Zeit nach Auslaufen der aktuellen Vertragsperiode eine Nachfolgeregelung für das Referenzzentrum erarbeitet werden müsse. Details zur konkreten Ausgestaltung seien noch zu klären, die Fortführung sei jedoch budgetiert. Das Referenzzentrum erklärte, dass die derzeitige Laufzeit bis September 2027 geht, und zeigte sich "gespannt auf die Details und den Umfang der Fortführung", verbunden mit der Erwartung zeitnaher Informationen durch das zuständige Gesundheitsministerium.