Hausärzt:in 05/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Medikamentenmanagement im Alter

Polypharmazie gehört im höheren Alter zum Versorgungsalltag. Aktuelle Daten aus der Primärversorgung belegen jedoch, dass die eigenständige Anwendung der verordneten Medikamente häufig mit Schwierigkeiten einhergeht.

In einer deutschen explorativen Studie wurden 102 hausärztlich betreute Patient:innen ab 70 Jahren eingeschlossen, die regelmäßig mindestens fünf verschiedene Medikamente selbstständig einnahmen. Zur Erfassung der Medikamentenmanagement-Kompetenz kam ein aus der ABLYMED-Studie (Ability to Self-administer Medication in Non-demented In-hospital Patients) bekannter Fragebogen mit 30 Fragen zum Einsatz, der die Bereiche Adhärenz, Handhabung sowie Einstellung und Wissen zu den verordneten Arzneimitteln abdeckt.

Die Mehrheit der Befragten (89 %) verfügte über einen aktuellen Medikationsplan von der Hausärzt:in, und 85 % berichteten, ihre Medikation insgesamt gut zu vertragen. Hinsichtlich der Adhärenz gaben 50 % an, die Einnahme nie zu vergessen, während 41 % dies nur selten passierte. Zudem hielten sich die meisten Patient:innen an die verordnete Dosierung und nahmen eigenständige Therapieabbrüche nur selten vor. Dennoch berichteten 20 %, dass ihnen bereits Medikamente ausgegangen waren, und 5 % hatten schon einmal Medikamente verwechselt – beides Aspekte mit hoher sicherheitsrelevanter Bedeutung.

Im Bereich der praktischen Handhabung zeigten sich deutliche Einschränkungen. Augentropfen wurden von 40 % der Befragten als besonders problematische Darreichungsform genannt. Darüber hinaus berichteten 19 % über Schwierigkeiten beim Öffnen von Arzneimittelverpackungen. 32 % berichteten, dass ihnen ein Austausch gegen das Präparat einer anderen Firma durch die Apotheke schon einmal Probleme bereitet hätte.

In Bezug auf Wissen und Einstellung zeigte sich ein insgesamt positives Bild. Die große Mehrheit bewertete den Nutzen ihrer Medikation positiv und kannte deren Zweck. Lediglich 15 % der Befragten gaben an, nicht über die Indikation all ihrer Medikamente informiert zu sein.

Ein relevanter Anteil der älteren Patient:innen berichtete über Schwierigkeiten im Umgang mit ihren Arzneimitteln. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass die Arzneimitteltherapiesicherheit nicht allein von einer leitliniengerechten Verordnung abhängt. Vielmehr ist die Fähigkeit zur korrekten, sicheren und nachhaltigen Anwendung ein entscheidender Faktor. Altersassoziierte Einschränkungen wie reduzierte Sehfähigkeit, eingeschränkte Feinmotorik oder kognitive Veränderungen können die korrekte Medikamentenanwendung erheblich erschweren.

Vor diesem Hintergrund sollte die Medikamentenmanagement-Kompetenz systematisch in die hausärztliche Versorgung integriert werden. Die Autoren der Studie plädieren dafür, Anwendungsprobleme gezielt zu erheben und frühzeitig Interventionen einzuleiten, um die Sicherheit und Effektivität der Pharmakotherapie im höheren Lebensalter zu verbessern.