Hausärzt:in 05/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Hitzebelastung als Gesundheitsrisiko

Österreich erlebt derzeit die erste Hitzewelle des Jahres mit Temperaturen bis zu 36 °C. Trotz ihrer hohen gesundheitlichen Relevanz wird Hitze als Risikofaktor noch immer unterschätzt, dabei gehört sie zu den führenden Ursachen naturkatastrophenbedingter Mortalität und stellt die medizinische Versorgung vor wachsende Herausforderungen.

Hitze wirkt häufig als "stiller Killer". Offiziell wird sie selten als direkte Todesursache ausgewiesen, tatsächlich führt sie jedoch oft zu einer Verschlechterung bestehender Erkrankungen, insbesondere von Herz-Kreislauf-, respiratorischen und metabolischen Erkrankungen. Entsprechend zeigen statistische Modelle eindeutig, dass während Hitzewellen sowohl die Zahl der Krankenhauseinweisungen als auch die Mortalität ansteigen.

Ein zentrales Problem ist dabei die unzureichende Risikowahrnehmung in der Bevölkerung. Eine aktuelle Studie zeigt, dass mehr als die Hälfte der Menschen nicht weiß, dass sie hitzevulnerabel sind. "Das bedeutet verstärkte Aufklärungsarbeit besonders für Ärzt:innen", betonte Schlögel, erster Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer.

Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder sowie Patient:innen mit Herz-Kreislauf-, Lungen-, Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen, aber auch Personen mit psychischen Erkrankungen oder eingeschränkter Mobilität. Denn mit zunehmendem Alter nimmt die Fähigkeit zur Thermoregulation ab. Die Hautdurchblutung ist reduziert, die Schweißproduktion setzt verzögert ein und das Durstempfinden ist oft vermindert. Gleichzeitig erhöhen Multimorbidität und Polypharmazie die Anfälligkeit gegenüber Hitze.

Pathophysiologisch belastet Hitze den Organismus auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Die zur Kühlung notwendige Vasodilatation und Schweißproduktion führen zu einer erhöhten kardiovaskulären Beanspruchung. Dadurch steigt insbesondere bei vorbelasteten Patient:innen das Risiko für Angina pectoris, Myokardinfarkte und Herzrhythmusstörungen. Gleichzeitig kommt es durch vermehrtes Schwitzen zu erheblichen Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten, was Dehydration, Kreislaufzusammenbrüche und ein erhöhtes Thromboserisiko begünstigt. Zusätzlich verschlechtern erhöhte Ozon- und Feinstaubbelastungen bei Hitzeperioden die respiratorische Situation und können Asthma oder chronische Lungenerkrankungen akut exazerbieren.

Auch die Medikation spielt eine relevante Rolle: Diuretika, Betablocker, Benzodiazepine und Sedativa können die Hitzeverträglichkeit negativ beeinflussen und sollten im Rahmen von Hitzeperioden kritisch überprüft werden. Darüber hinaus ist auf die korrekte Lagerung von Arzneimitteln hinzuweisen. Viele Präparate erfordern Temperaturen unter 25 °C. Hitze oder direkte Sonneneinstrahlung, etwa im Auto oder auf Fensterbänken, können die Stabilität und damit die Wirksamkeit beeinträchtigen.

Ein oft unterschätzter Aspekt ist der Flüssigkeitsverlust: Selbst in Ruhe kann dieser bei hohen Temperaturen über 0,5 Liter pro Stunde betragen. Durst ist dabei kein verlässlicher Indikator, da er häufig erst bei bereits bestehender Dehydration einsetzt. Eine regelmäßige und ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist daher essenziell, insbesondere bei vulnerablen Patient:innen.

Frühe klinische Warnzeichen einer Hitzebelastung sind Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Konzentrationsstörungen und ausgeprägte Erschöpfung. Schwerwiegende Symptome wie Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen oder eine Körpertemperatur über 40 °C erfordern hingegen umgehend medizinisches Eingreifen.

Für die ärztliche Praxis bedeutet dies, dass der proaktiven Identifikation gefährdeter Patient:innen, der Anpassung bestehender Therapien sowie der gezielten Aufklärung über präventive Maßnahmen – insbesondere Hydration, Verhaltensanpassung und Kühlung, eine zentrale Rolle zukommt. Eine konsequente Sensibilisierung kann wesentlich dazu beitragen, hitzebedingte Morbidität und Mortalität zu reduzieren.