Gesund.at: Herzrhythmusstörungen sind eine der häufigsten kardiologischen Erkrankungen. Welche Bedeutung hat dies für den Versorgungsalltag?
Prim. Martinek: Rhythmusstörungen, insbesondere das Vorhofflimmern als häufigste Arrhythmie, deren Prävalenz mit dem Alter weiter zunimmt, stellen einen wesentlichen Faktor in der Gesundheitsversorgung dar, sowohl im niedergelassenen Bereich als auch in Notaufnahmen und Krankenhäusern. In den vergangenen Jahren hat sich der therapeutische Ansatz deutlich verändert. Der Fokus liegt zunehmend auf einer frühen Behandlung des Vorhofflimmerns, insbesondere auf einer frühen Wiederherstellung des Sinusrhythmus. Studien zeigen, dass eine zeitnahe Rhythmisierung zu besseren klinischen Ergebnissen führt und langfristig sowohl Schlaganfälle als auch Herzinsuffizienzen reduziert. Entsprechend ist die Therapie insgesamt aggressiver geworden.
Goldstandard ist mittlerweile die Katheterablation, die Verödung bei Vorhofflimmern mit der Pulmonalvenenisolation ist in internationalen Leitlinien eine Klasse-I-Indikation. Dies führt jedoch dazu, dass mittlerweile die Kapazitäten zunehmend knapp werden und man in Österreich Wartezeiten von mehreren Monaten bis über ein Jahr hat. Zwar wird versucht, die Kapazitäten auszubauen, doch sind diesen Bemühungen natürliche Grenzen gesetzt. Daher gewinnen neue Verfahren an Bedeutung, die es ermöglichen, mehr Patient:innen in kürzerer Zeit zu behandeln.