Hausärzt:in 02/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Erste Leitlinie zur Stilldauer

Kürzlich wurde die erste S3-Leitlinie zur Stilldauer und Intervention zur Stillförderung veröffentlicht. 

Zentrale Empfehlungen der neuen Leitlinie sind, dass reifgeborene Kinder in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich oder überwiegend gestillt werden sollten und die Gesamtstilldauer sollte mindestens 12 Monate betragen.

Die Empfehlungen beruhen auf 30 definierten Endpunkten, die sich auf die Gesundheit des Kindes oder der Mutter beziehen. Zu den gesundheitlichen Effekten für Mütter gehören beispielsweise ein vermindertes Brustkrebs- und Osteoporose-Risiko im Alter. Die Endpunkte für Kinder umfassen Infektionen, wie Otitis media, aber auch chronische Erkrankungen wie Asthma oder atopische Dermatitis und Entwicklungsstörungen wie Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörungen und Autismus-Spektrum-Störungen.

Die Leitlinie weist daraufhin, dass die zugrundeliegende Evidenzqualität überwiegend niedrig bis sehr niedrig ist, da sie größtenteils aus Beobachtungsstudien stammt. Die Autor:innen erklären: "Stillen ist eine Grundlage, zu der dann weitere Faktoren hinzukommen – aber es ist nicht der einzige Faktor für spätere gesundheitliche Outcomes".

Da die Qualität der herangezogenen Beobachtungsstudien sehr hoch ist und die Leitlinie, bei der in die extern durchgeführte Literaturrecherche viele systematische Reviews und Metaanalysen miteinbezogen wurden, ergibt aus der Gesamtschau ein konsistentes Bild zugunsten einer längeren Stilldauer.

Die nationalen Empfehlungen zur Beikosteinführung sind in Europa sehr uneinheitlich, in Österreich wird empfohlen, Beikost nach dem vollendeten vierten Lebensmonat einzuführen. In Deutschland lautete die bisherige Empfehlung vier bis sechs Monate. Die WHO empfiehlt bisher sechs Monate ausschließlich zu stillen und danach bis zu zwei Jahre oder länger weiterzustillen. 

Die Leitlinie schließt sich nicht der 24-Monate Empfehlung der WHO an, da die Studienlage dafür lückenhaft ist. Die Autor:innen der Leitlinie erklären die Leitlinie soll nur als Empfehlung verstanden werden und keinen Druck auf Mütter ausüben.