Hausärzt:in 01/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Parodontitis: Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse

Eine neue Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen chronischen Entzündungen des Zahnfleischs, Karies und dem Risiko eines Schlaganfalls. 

Seit mehreren Jahren wird ein Zusammenhang zwischen Parodontitis und kardiovaskulären Erkrankungen wie Myokardinfarkt, ischämischem Schlaganfall und anderen Manifestationen der Atherosklerose diskutiert. Epidemiologische Studien zeigen konsistent, dass Patient:innen mit chronischer Parodontitis ein erhöhtes Risiko für koronare Herzkrankheit und zerebrovaskuläre Ereignisse aufweisen. Eine ältere Studie kam zu dem Ergebnis, dass Parodontitis das Sterberisiko durch eine koronare Herzkrankheit mehr als verdoppelt. 

Pathophysiologisch erscheint dieser Zusammenhang plausibel: Parodontale Entzündungen gehen mit systemisch erhöhten Entzündungsmarkern, insbesondere C-reaktivem Protein (CRP), einher. Zudem werden endotheliale Dysfunktionen beobachtet, die als frühe Phase der Atherosklerose gelten und die Progression vaskulärer Erkrankungen begünstigen können.

Eine aktuelle prospektive Kohortenstudie mit 5.986 initial gesunden Proband:innen untermauert diese Annahmen. Über einen mittleren Beobachtungszeitraum von 21 Jahren wurden das Auftreten von ischämischem Schlaganfall, Myokardinfarkt und Angina pectoris erfasst sowie standardisierte zahnmedizinische Untersuchungen durchgeführt. Während des Follow-ups erlitten 4,2 % der Personen mit guter Zahngesundheit einen ischämischen Schlaganfall. Bei alleiniger Parodontitis stieg die Inzidenz auf 6,9 %, bei kombinierter Parodontitis und Karies auf 10 %.

Regelmäßige Zahnpflege war hingegen signifikant mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für Parodontitis (−19 %) sowie für das kombinierte Auftreten von Parodontitis und Karies (−81 %) assoziiert.

Für die ärztliche Praxis ergibt sich daraus, dass der orale Gesundheitsstatus als potenzieller Risikomodulator in der kardiovaskulären Prävention berücksichtigt werden sollte.