Hausärzt:in 02/2024

Nacktmulle als Vorbild: Neue Erkenntnisse zur Krebsprävention

Eine internationale Studie unter Beteiligung der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat neue Erkenntnisse über die Mechanismen zur Aufrechterhaltung von Zellfunktionen und Verlangsamung der Alterung gewonnen, indem sie den Darmtrakt von Nacktmullen untersuchte. 

Nacktmulle sind aufgrund ihrer hohen Lebenserwartung als Forschungsobjekte geeignet und bieten Einblicke in die Evolution adulter Stammzellen (ASC) und Gewebeaktivität.

Die Studie fand heraus, dass Nacktmulle im Vergleich zu Mäusen und Menschen einen erweiterten Pool von ASC im Darm haben. Diese Zellen zeigen langsamere Teilungsraten, aber einen ähnlichen Umsatz wie menschliche Zellen. Die ASC von Nacktmullen passen sich durch längere Zellzyklusphasen an, anstatt in die Ruhephase zu treten. Zudem weisen Nacktmulle eine höhere Anzahl differenzierter Zellen auf, was der Darmschleimhaut verbesserten Schutz und Funktion verleiht.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Nacktmulle evolutionäre Anpassungen entwickelt haben, um Gewebehomöostase aufrechtzuerhalten und altersbedingte Erkrankungen wie Krebs zu verringern. Eine größere Reserve von ASC erleichtert die Gewebeerhaltung unter oxidativem und mechanischem Stress, reduziert die Wahrscheinlichkeit schädlicher Mutationen und verlangsamt die klonale Expansion im Alter. Niedrigere Teilungsraten der ASC im Darm verhindern proliferative Erschöpfung und tragen zur höheren Lebenserwartung bei.

Die Studie wurde im Fachjournal Nature Communications publiziert:

Adult stem cell activity in naked mole rats for long-term tissue maintenance