Hausärzt:in 02/2024

Lieferengpässe: Pharmaindustrie in der Pflicht

Im vergangenen Winter führten Lieferengpässe bei Medikamenten zu einer europaweiten Versorgungskrise, die die österreichische Bundesregierung nun dazu veranlasste, umfassende kurzfristige Maßnahmen zu ergreifen.

Diese beinhalten die Schaffung eines eigenen Wirkstofflagers, die Einführung von Unterstützungsbeiträgen für kostengünstige Medikamente sowie die Ausweitung von Verkaufsfristen und Importerleichterungen aus dem EWR-Raum. Als mittelfristige Lösung verpflichtet die Regierung nun die pharmazeutische Industrie, bedeutende Mengen kritischer Arzneimittel zu bevorraten, darunter Schmerzmittel, Antibiotika und Präparate für chronische Erkrankungen.

Gesundheitsminister Johannes Rauch betont den Erfolg der kurzfristigen Maßnahmen zur Sicherung der Medikamentenversorgung im aktuellen Winter und sieht die Verpflichtung der Pharmaindustrie als entscheidenden Schritt, um auch in der nächsten Saison auf mögliche Lieferengpässe vorbereitet zu sein. Er fordert langfristig eine europäische Lösung für die Sicherheit der Medikamentenversorgung. Vor der Umsetzung der Verpflichtung muss diese jedoch von der Europäischen Kommission genehmigt werden, während die pharmazeutische Industrie die Möglichkeit hat, zusätzliche Kosten beim Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen zu beantragen.

Parallel dazu wurde ein eigenes Wirkstofflager für Antibiotika und Erkältungsmedikamente eingerichtet, um akute Engpässe zu bewältigen. Apotheken können in Zeiten hoher Nachfrage auf diese Wirkstoffe zugreifen und die Versorgung durch magistral zubereitete Arzneimittel sicherstellen. Zur Unterstützung der Apotheker:innen wurde das Entgelt um durchschnittlich 50 Prozent erhöht, um gestiegene Kosten für Personal und Herstellung bestmöglich zu decken. Die diesbezügliche Arzneitaxen-Verordnung ist seit dem 1. Januar 2024 in Kraft.