Hausärzt:in 12/2025
Ärzt:in Assistenz 2025

App hilft bei Harninkontinenz

Eine deutsche randomisierte Studie untersuchte eine neue App, die Frauen mit Harninkontinenz unterstützen kann. Im Vergleich zur Placebogruppe führte das Programm zu einer Verbesserung. 

Etwa jede vierte Frau entwickelt im Verlauf ihres Lebens eine Harnwegsinkontinenz. Am häufigsten tritt eine Stressinkontinenz auf, gefolgt von einer Mischinkontinenz oder einer Dranginkontinenz. Die Leitlinien empfehlen als erste Maßnahme ein Beckenbodentraining und eine Änderung des Lebensstils. Diese Maßnahmen können bei den meisten Frauen die Inkontinenz auch ohne Medikamente beheben. Für eine ausreichende Beratung fehlt den Fachärzt:innen aus Urologie und Gynäkologie jedoch meist die Zeit.

Die neue App (Kranus Mictera) soll Frauen zum Beckenbodentraining und Blasentraining motivieren und zusätzlich eine Verhaltens- und Ernährungsberatung anbietet. Außerdem können Sie in einem Miktionstagebuch ihre Fortschritte notieren.

Die App wurde in einer randomisierten Studie getestet. Die Patientinnen hatten seit mehr als 5 Jahren eine Inkontinenz (Stress 63 %; Drang 22 %; Misch 16 %) und 68 % hatten bereits einen Kurs zum Beckenbodentraining oder zur postpartalen Erholung besucht. In der Interventionsgruppe kam es zu einem Rückgang der Inkontinenz-Episoden von 3,71 auf 1,46 pro Tag gegenüber einem Rückgang von 3,57 auf 3,42 pro Tag in der Kontrollgruppe. Außerdem berichten 22 von 96 Patientinnen (22,92 %), dass sie zuletzt keine Episoden mehr hatten gegenüber 2 von 98 Patientinnen (2,04 %) in der Kontrollgruppe. Fragebögen zeigten, dass sich auch die Lebensqualität signifikant verbesserte.

Laut Autor:innen ist die Besonderheit der medizinischen App, dass den betroffenen Frauen eine strukturierte, adaptive Physiotherapie, kognitive Verhaltensberatung und Bildungsinhalte angeboten werden.