"Wenn Menschen lieber die Ärzt:in wechseln, als ihrer Hausärzt:in von einem Ausfluss zu erzählen, liegt das Problem nicht im Labor, sondern in der Kommunikation", betonte Dr. Richard Brodnig, Facharzt für Allgemeinmedizin mit Praxis in Wien, in seinem Vortrag zum Thema "Lust und Last" anlässlich des Kongresses für Allgemein- und Familienmedizin (stafam) Ende 2025 in Graz. Anhand eines Praxisbeispiels zeigte er auf, wie eine gelingende Ärzt:in-Patient:innen-Kommunikation aussehen kann.
Ein Mann, gepflegt, gut gekleidet, ungewöhnlich aufrecht, saß in der Ordination und sagte leise: "Seit drei Tagen … Ausfluss." Dann, hastig, als wolle er die Äußerung rasch hinter sich bringen: "Ich spiele mit meinem Hausarzt Tennis – der soll davon nichts wissen. Deshalb bin ich hier." Es stellte sich heraus, dass der Patient verheiratet war, eine heterosexuelle Biografie hatte und Vater von zwei Kindern ist. Seit der Trennung vor einem Jahr lebte er – wie er es selbst formulierte – "zum ersten Mal frei" und hatte Sex mit Frauen und Männern. Beim Erzählen wirkte er kurz verlegen, als müsse er sich dafür rechtfertigen.