Hausärzt:in 10/2026
Ärzt:in Assistenz 2026

Impfen und winterliche Infektwellen eindämmen

Impfen
Impfungen als Schlüssel zur Prävention.
© National Cancer Institute / unsplash.com
Am 5. Oktober 2026 lud der Österreichische Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH) zu einer Online-Pressekonferenz unter dem Titel "Von Infekt zu Infekt: Wie Impfungen die Krankheitslast im Winter verringern können". Dabei diskutierten Expert:innen die zunehmende Belastung durch respiratorische Erkrankungen sowie die Rolle von Impfungen in der Prävention.
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Seit dem Ende der pandemiebedingten Schutzmaßnahmen werden Atemwegserreger wieder verstärkt gleichzeitig beobachtet. Influenza, RSV, SARS-CoV-2 und Pneumokokken verursachen nicht isoliert voneinander Krankheitswellen, sondern zirkulieren oftmals parallel oder überlappend. Besonders für ältere Personen sowie Menschen mit chronischen Grunderkrankungen bedeutet diese Co-Zirkulation ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe, Hospitalisierungen und Folgekomplikationen.

Prim. Priv.-Doz. Dr. Arschang Valipour, Leiter der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie an der Klinik Floridsdorf und Leiter des Karl Landsteiner Instituts für Lungenforschung und pneumologische Onkologie, verwies auf die erhebliche Krankheitslast respiratorischer Infektionen. Dabei gehe es nicht ausschließlich um Todesfälle oder Krankenhausaufenthalte. Ebenso relevant seien langfristige funktionelle Einschränkungen, Mobilitätsverlust, Verlust der Selbstständigkeit sowie ein steigender Pflegebedarf nach schweren Infektionen. Das betrifft etwa ein Viertel der wegen schwerer Atemwegsinfektionen hospitalisierten Patient:innen. Besonders gefährdet sind Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen wie COPD oder Asthma bronchiale. Darüber hinaus erhöhen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, neurologische Erkrankungen sowie chronische Niereninsuffizienz das Risiko schwerer Verläufe deutlich. Hinzu kommen Personen mit erworbener oder therapeutisch bedingter Immunsuppression, etwa im Rahmen onkologischer Erkrankungen oder unter immunsuppressiver Therapie bei Autoimmunerkrankungen. Weiters verändert sich mit zunehmendem Alter die angeborene als auch die adaptive Immunantwort. Die Zahl und Funktion naiver T-Zellen nimmt ab, die Diversität des Immunrepertoires sinkt und Antikörperantworten fallen schwächer aus. Diese Veränderungen tragen wesentlich dazu bei, dass ältere Menschen anfälliger für schwere Infektionen werden. Nicht zuletzt sind Beschäftigte im Gesundheitswesen, Tourismus oder Kindergarten aufgrund ihrer erhöhten Exposition besonders gefährdet oder auch Menschen mit Adipositas oder Raucher:innen.

Anhand mehrerer klinischer Beispiele verdeutlichte Valipour die potenziell dramatischen Folgen respiratorischer Infektionen. So entwickelte ein 68-jähriger Raucher mit COPD aus einer zunächst ambulant behandelten Pneumonie eine invasive Pneumokokkeninfektion mit Operationsbedarf, während eine 46-jährige Patientin mit schwerer Adipositas und Diabetes mellitus 2 nach einer Influenzainfektion ein Multiorganversagen erlitt und unter anderem mittels Herz-Lungen-Maschine und Dialyse behandelt werden musste, und ein 69-jähriger Patient mit RSV-Infektion sowie kardiovaskulären und renalen Begleiterkrankungen nach zunächst langsamem Krankheitsverlauf rasch dekompensierte, schließlich intensivmedizinisch beatmet werden musste und eine Hospitalisierung von weit über zwei Wochen hatte. Gemeinsam hatten alle Fälle das Fehlen eines entsprechenden Impfschutzes.