Künstliche Intelligenz hat sich auch im Gesundheitsbereich als Informationsquelle etabliert. Das zeigt die Gesundheitsstudie 2026 der Wiener Städtischen Versicherung, für die 1.000 Personen im Alter von 16 bis 70 Jahren repräsentativ befragt wurden. Demnach haben bereits 60 % der Österreicher:innen KI-Anwendungen im Zusammenhang mit Gesundheitsthemen genutzt, 40 % bewerten deren Unterstützung als hilfreich. Während medizinischen Fachpersonen weiterhin das größte Vertrauen entgegengebracht wird, halten bereits 13 % der Befragten KI-Auskünfte für vertrauenswürdiger als Informationen von Ärzt:innen. Rund ein Drittel der Nutzer:innen gibt zudem an, Empfehlungen der KI bei Gesundheitsfragen zu folgen.
Die Nutzung von KI wird überwiegend positiv wahrgenommen. Am häufigsten berichten die Befragten von Beruhigung, Erleichterung und einem stärkeren Gefühl der Kontrolle. Gleichzeitig unterstreicht die Studie die Bedeutung der ärztlichen Einordnung digitaler Gesundheitsinformationen. "KI wird für viele Menschen zunehmend zur ersten Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen. Umso wichtiger ist es, Informationen richtig einordnen zu können und KI als Ergänzung, nicht als Ersatz für medizinische Beratung zu verstehen", sagt Manuel Schalk, Vorstandsdirektor der Wiener Städtischen.
Neben dem Informationsverhalten untersuchte die Studie auch die Wahrnehmung des österreichischen Gesundheitssystems. Weniger als die Hälfte der Befragten (47 %) zeigt sich mit dem System zufrieden, während 20 % unzufrieden sind. 44 % berichten von einer Verschlechterung der medizinischen Versorgung innerhalb der vergangenen zwölf Monate, lediglich rund 10 % nehmen Verbesserungen wahr. Besonders kritisch werden die Verfügbarkeit von Kassenärzt:innen sowie lange Wartezeiten beurteilt. Während Termine in der Allgemeinmedizin meist innerhalb weniger Tage verfügbar sind, wartet etwa ein Drittel der Bevölkerung länger als zwei Monate auf einen Facharzttermin mit Kassenvertrag.
Vor diesem Hintergrund stößt auch die Diskussion über eine Ambulanzgebühr für nicht dringliche Krankenhausbesuche auf Zustimmung. 58 % der Befragten können sich eine solche Maßnahme grundsätzlich vorstellen. Die Mehrheit der Befürworter:innen spricht sich dabei für moderate Gebühren von bis zu 20 Euro aus.
Hinsichtlich des eigenen Gesundheitszustands zeichnet die Studie insgesamt ein positives Bild. Die Mehrheit bewertet sowohl die körperliche als auch die psychische Gesundheit als gut oder sehr gut. Allerdings berichtet mehr als ein Viertel von einer Verschlechterung der körperlichen Gesundheit innerhalb des vergangenen Jahres, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Bei der psychischen Gesundheit zeigen sich generationenspezifische Unterschiede. Während 29 % der 16- bis 35-Jährigen eine Verbesserung ihrer mentalen Gesundheit angeben, trifft dies lediglich auf 7 % der 56- bis 70-Jährigen zu.
Ein weiteres Ergebnis betrifft das Bewusstsein für geschlechtsspezifische Unterschiede in der Medizin. 87 % der Befragten nehmen Unterschiede zwischen Frauen und Männern bei Krankheitsbildern wahr. Am häufigsten werden Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie psychische Erkrankungen genannt. Die Ergebnisse verdeutlichen die zunehmende Sensibilisierung der Bevölkerung für Aspekte der geschlechterspezifischen Medizin und individualisierten Versorgung.