Das Dokument, das seit 2006 regelmäßig aktualisiert wird und zuletzt 2022 überarbeitet wurde, richtet sich an multidisziplinäre Behandlungsteams in Europa und den USA und basiert auf einer systematischen Auswertung der seit 2022 publizierten wissenschaftlichen Evidenz.
Im Vergleich zu früheren Versionen vollzieht das Update einen Perspektivenwechsel. Statt ausschließlich die Kontrolle der Hyperglykämie in den Mittelpunkt zu stellen, verfolgt der Bericht einen ganzheitlichen Ansatz, der das Management des Typ-2-Diabetes sowie seiner vielfältigen Begleit- und Folgeerkrankungen umfasst. Ziel ist es, nicht nur die glykämische Kontrolle zu verbessern, sondern langfristig auch Organfunktionen zu erhalten, das Körpergewicht zu optimieren, die Lebensqualität zu steigern und das Risiko diabetesassoziierter Komplikationen zu reduzieren.
Als Grundlage einer erfolgreichen Diabetesversorgung werden weiterhin Lebensstilmaßnahmen hervorgehoben. Dazu zählen eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität über den gesamten 24-Stunden-Zeitraum hinweg, ausreichender Schlaf sowie der Verzicht auf Tabak und andere gesundheitsschädliche Substanzen. Ergänzend betonen die Autor:innen die Bedeutung psychologischer Unterstützung sowie eines strukturierten Gewichtsmanagements als integrale Bestandteile der Behandlung.
Eine der zentralen Neuerungen betrifft den früheren Einsatz moderner antihyperglykämischer Therapien. Nach Auffassung des Expert:innenpanels sollten Natrium-Glukose-Cotransporter-2-(SGLT2)-Inhibitoren und GLP-1-basierte Therapien deutlich früher im Krankheitsverlauf und gegebenenfalls bereits ab Diagnosestellung in Betracht gezogen werden. Der Nutzen dieser Wirkstoffklassen geht dabei über die reine Senkung des HbA1c-Wertes hinaus und umfasst insbesondere den Schutz von Herz und Nieren sowie eine Verbesserung langfristiger klinischer Endpunkte.
Bei Patient:innen mit bestehender kardiovaskulärer Erkrankung, chronischer Nierenerkrankung oder Herzinsuffizienz empfehlen die Autor:innen zudem, eine frühe Kombinationstherapie aus SGLT2-Inhibitoren und GLP-1-basierten Therapien zu erwägen. Dadurch sollen kardiorenale Risiken gezielt reduziert und die Prognose verbessert werden. Darüber hinaus wird das Screening auf Begleiterkrankungen ausgeweitet. Neben den etablierten Untersuchungen auf diabetische Augen-, Nieren- und Fußkomplikationen soll verstärkt auf häufige komorbide Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, die metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD), obstruktive Schlafapnoe, psychische Erkrankungen sowie Parodontalerkrankungen geachtet werden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Individualisierung der Therapieziele. Neben der Blutzuckerkontrolle sollen künftig auch Körpergewicht, Organprotektion, funktionelle Gesundheit, Lebensqualität sowie die Präferenzen und Bedürfnisse der Patient:innen stärker in die Therapieplanung einbezogen werden. Regelmäßige Screenings auf Depressionen, Angststörungen und diabetesbezogene Belastungen werden ausdrücklich empfohlen, um die psychosozialen Aspekte der Erkrankung besser zu berücksichtigen.