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Ärzt:in Assistenz 2026

Subklinische Atherosklerose bereits bei jungen Erwachsenen

Bereits bei den 18- bis 29-Jährigen ist subklinische Atherosklerose keine Seltenheit. Bildgebende Verfahren könnten Risikopatient:innen deutlich früher identifizieren als etablierte Risikoscores.

Atherosklerose beginnt lange vor dem Auftreten klinischer Manifestationen. Eine aktuelle Querschnittstudie aus Dänemark und Spanien zeigt, dass bereits im Alter von 18 bis 29 Jahren etwa jeder Dreizehnte atherosklerotische Veränderungen in den Koronararterien, den Karotiden oder den Beinarterien aufweist. In der Altersgruppe von 60 bis 70 Jahren waren dagegen nahezu 90 % der Untersuchten betroffen. Die Ergebnisse wurden auf dem Kongress der European Society of Cardiology (ESC) in München präsentiert und auch im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Frühere Autopsiestudien hatten bereits gezeigt, dass atherosklerotische Prozesse in westlichen Industrieländern häufig schon im frühen Erwachsenenalter beginnen. Erste reversible Lipidablagerungen in der Gefäßwand ("fatty streaks") können sogar bereits bei Kindern und Jugendlichen nachgewiesen werden.

Im Rahmen der laufenden Studie wurden seit 2024 insgesamt 16.808 Erwachsene im Alter von 18 bis 70 Jahren mittels Kardio-CT und Gefäßultraschall auf atherosklerotische Veränderungen der Koronar-, Karotis- und Beinarterien untersucht. Zum Zeitpunkt der Untersuchung hatte keine der eingeschlossenen Personen eine klinisch manifeste atherosklerotische Erkrankung wie Myokardinfarkt, Schlaganfall oder periphere arterielle Verschlusskrankheit. Dennoch ließ sich bei 51,4 % mindestens ein stummer atherosklerotischer Gefäßbefall nachweisen. Männer waren dabei häufiger betroffen als Frauen (63,4 % vs. 50,9 %).

In der Altersgruppe von 18 bis 29 Jahren lag die Prävalenz bei 8,7 % der Männer und 6,7 % der Frauen. Im Alter von 30 bis 39 Jahren stieg sie auf 34,6 % bzw. 21,3 %. Die Daten sprechen somit für einen früheren Beginn der Atherosklerose bei Männern. Nach der Menopause verringerte sich der Geschlechterunterschied jedoch deutlich. Im Alter von 60 bis 70 Jahren waren lediglich 1,9 % der Männer und 8,1 % der Frauen frei von atherosklerotischen Veränderungen. Die ersten Veränderungen fanden sich überwiegend in den peripheren Gefäßen. Koronare Plaques traten häufiger in höheren Altersgruppen auf, waren jedoch nur selten isoliert nachweisbar. Eine ausschließlich koronare Atherosklerose wurde über alle Altersgruppen hinweg bei maximal 9,3 % der Männer und 5,0 % der Frauen festgestellt.

Mit zunehmendem Alter stieg erwartungsgemäß auch die Prävalenz klassischer kardiovaskulärer Risikofaktoren wie arterieller Hypertonie, Dyslipidämie sowie Adipositas. Der etablierte Risikoscore SCORE2 identifizierte jedoch lediglich 0,5 % der Personen mit stummer Atherosklerose in einem Gefäßterritorium und 3,8 % derjenigen mit Befall mehrerer Gefäßterritorien als Hochrisikopatient:innen für ein atherosklerotisches Ereignis innerhalb der nächsten zehn Jahre.

Die Forscher:innen sehen darin einen Hinweis auf die begrenzte Sensitivität rein klinisch und laborchemisch basierter Risikomodelle. Langfristig soll SCORE2 daher durch einen Risikorechner ergänzt oder ersetzt werden, der bildgebende Befunde aus Gefäßultraschall und Kardio-CT berücksichtigt. In einer zweiten Studienphase soll nun untersucht werden, ob eine bildgebungsbasierte Präventionsstrategie mit daraus abgeleiteten therapeutischen Interventionen die Inzidenz von Myokardinfarkt, Schlaganfall und anderen kardiovaskulären Ereignissen langfristig senken kann.