Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie steckt kein normales Anpassungsphänomen dahinter, sondern es ist ein ernstzunehmendes Warnsignal des Körpers. Hinter einer sportassoziierten Amenorrhö kann eine behandlungsbedürftige Hormonstörung stehen, mit potenziell weitreichenden Folgen für Knochen, Herz-Kreislauf-System und Psyche.
Von einer sekundären Amenorrhö wird gesprochen, wenn bei zuvor regelmäßigen Zyklen die Blutung drei Monate oder länger ausbleibt, oder bei zuvor unregelmäßigen Zyklen länger als sechs Monate. Dies tritt vor allem bei sportlich aktiven jungen Frauen auf. In diesen Fällen ist der Energieverbrauch dauerhaft höher als die Energieaufnahme. Dieser Effekt wird durch körperlichen und mentalen Stress verstärkt.
Dieser Energiemangel wird mittlerweile unter dem Begriff "Relative Energy Deficiency in Sport" (RED-S) zusammengefasst, dieses chronische Energiedefizit kann auch Männer betreffen. Im Fall von Frauen führt der Energiemangel zu einer Veränderung der hormonellen Steuerung im Gehirn. Denn die Grundlage eines regelmäßigen Zyklus liegt in der lusatilen Ausschüttung von GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon). Dieses Hormon des Hypothalamus stimuliert die Hirnanhangsdrüse zur Freisetzung von Follikelstimulierendem Hormon (FSH) und Luteinisierendem Hormon (LH). Exzessiver Sport und die damit einhergehende körperliche Belastung, der in erster Linie ein Energiedefizit zugrunde liege, störten die GnRH-Pulsatilität, was zu einer Follikelreifestörung und zum Ausbleiben der Menstruation führt. Begleitend finden sich häufig erhöhte Cortisolspiegel, erniedrigte IGF-1- und Insulinwerte sowie erhöhte Ghrelinspiegel.
Dies führt zu multifaktoriellen, systemischen Folgen, wie einem chronischen Östrogenmangel, der Auswirkungen auf die Knochendichte hat und das Risiko für eine Osteoporose erhöht. Außerdem können sich kardiovaskuläre Auswirkungen, Schlafstörungen, Verdauungs- und Konzentrationsschwierigkeiten sowie mentale Probleme entwickeln. Die sportassoziierte Amenorrhö ist reversibel, anders als manche Fälle der essstörungsbedingten Amenorrhö.
Therapeutisch wird neben einer gegebenenfalls indizierten Hormontherapie – durch transdermale Östrogengabe – der Ausgleich des Energiedefizits empfohlen. Die Frauen sollten ausreichend Kalorien zu sich nehmen und gleichzeitig den Trainingsumfang reduzieren. Dies bedeutet nicht, mit dem Training aufzuhören, sondern beispielsweise die Intensität zu reduzieren und Regenerationstage einzuplanen.
Je früher das Energiedefizit ausgeglichen wird, desto besser kann sich die hormonelle Steuerung erholen. Funktionelle sportassoziierte Amenorrhö kommen immer öfter vor, und nicht nur im Leistungssport, sondern auch zunehmend im ambitionierten Freizeitsport. Immer mehr Profisportlerinnen zeigen aber, dass Spitzensport mit gesunden Zyklen vereinbar ist.