Bestimmte Komplikationen während einer Schwangerschaft sind mit einem erhöhten Risiko für spätere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Hypertonie und chronische Nierenerkrankungen assoziiert. Darauf deutet eine longitudinale Beobachtungsstudie mit mehr als 1,4 Millionen Frauen aus England hin.
Für die Analyse wurden Daten aus der hausärztlichen und stationären Versorgung von Frauen ausgewertet, die zwischen 2000 und 2022 schwanger waren. Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen verschiedenen Schwangerschaftskomplikationen und dem späteren Auftreten von kardiovaskulären Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Hypertonie sowie chronischer Nierenerkrankung. Die mediane Nachbeobachtungszeit lag je nach Endpunkt bei rund 4 Jahren.
Die stärksten Assoziationen zeigten sich für Gestationsdiabetes sowie hypertensive Schwangerschaftserkrankungen. Nach einem Gestationsdiabetes war die Rate eines späteren Typ-2-Diabetes etwa 7-fach erhöht. Frauen mit Gestationshypertonie oder Präeklampsie wiesen mehr als dreifach erhöhte Raten einer späteren Hypertonie auf. Zudem war das Risiko für eine chronische Nierenerkrankung etwa verdoppelt. Auch für kardiovaskuläre Erkrankungen und Typ-2-Diabetes fanden sich erhöhte Raten, wenn auch in geringerem Ausmaß.
Darüber hinaus waren mehrere weitere Schwangerschaftskomplikationen mit einem erhöhten Risiko für spätere Erkrankungen assoziiert. So war eine postpartale Depression nach der jüngsten Schwangerschaft mit um 35 bis 56 % höheren Raten aller vier untersuchten Endpunkte verbunden. Auch Fehlgeburten, Totgeburten, vorzeitige Plazentalösungen und Frühgeburten in der aktuellen oder in früheren Schwangerschaften gingen mit moderat erhöhten Risiken für eine oder mehrere der untersuchten Erkrankungen einher.
Zusätzlich zeigte sich, dass die Geburt eines für das Gestationsalter zu kleinen Kindes mit höheren Raten von Hypertonie und kardiovaskulären Erkrankungen verbunden war. Die Geburt eines für das Gestationsalter zu großen Kindes war hingegen mit einem erhöhten Risiko für einen späteren Typ-2-Diabetes assoziiert, auch unabhängig vom Vorliegen eines Gestationsdiabetes.
Die Autor:innen betonen, dass aus der Beobachtungsstudie keine kausalen Zusammenhänge abgeleitet werden können. Die Ergebnisse sprechen jedoch dafür, die reproduktive Anamnese einschließlich zurückliegender Schwangerschaften bei der kardiometabolischen Risikostratifizierung zu berücksichtigen. Insbesondere die Zeit nach der Entbindung könnte genutzt werden, um Frauen mit belasteter Schwangerschaftsanamnese frühzeitig zu identifizieren und präventive Maßnahmen einzuleiten.