Hausärzt:in 02/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Schützt Acetylsalicylsäure vor Darmkrebs?

Ein neuer Cochrane-Review hat mehrere Studien ausgewertet, um zu untersuchen, ob die tägliche Einnahme von ASS das Risiko für Darmkrebs senken kann. Das Thema wird in der Fachwelt seit Jahren kontrovers diskutiert, da möglichen präventiven Effekten auch potenzielle Nebenwirkungen gegenüberstehen.

Ein aktueller Cochrane-Review kommt zu dem Schluss, dass eine breite Anwendung von Acetylsalicylsäure (ASS) zur Darmkrebsprävention in der Allgemeinbevölkerung durch die derzeitige Evidenz nicht gestützt wird.

ASS wird seit über 100 Jahren als Schmerzmittel eingesetzt und zusätzlich als Blutverdünner verwendet. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen nehmen es häufig langfristig ein, um Herzinfarkte vorzubeugen. Beobachtungen aus diesen Patient:innengruppen hatten Hinweise auf einen möglichen Schutz vor Darmkrebs geliefert.

Für den Review wurden zehn randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 124.837 Teilnehmenden mittleren oder höheren Alters ohne erhöhtes Darmkrebsrisiko ausgewertet, die entweder ASS oder ein Placebo erhielten.

In den ersten fünf bis 15 Jahren der Einnahme senkte ASS die Neuerkrankungsrate wahrscheinlich nicht. Ein möglicher Schutzeffekt zeigte sich in einzelnen Studien erst nach mindestens 15 Jahren Nachbeobachtung: 15 von 1.000 Personen ohne ASS erkrankten an Darmkrebs, verglichen mit 12 von 1.000 mit ASS (Daten aus drei Studien mit 47.464 Teilnehmenden). Die Vertrauenswürdigkeit dieser Langzeit-Evidenz wird jedoch als sehr gering eingeschätzt.

Die Ergebnisse zur Sterblichkeit durch Darmkrebs sind komplex. In den ersten zehn Jahren starben möglicherweise sogar mehr Personen unter ASS an Darmkrebs (4 von 1.000) als ohne ASS (2 von 1.000; niedrige Evidenzqualität). Zwischen zehn und 15 Jahren zeigte sich möglicherweise kein Unterschied. Erst nach mindestens 15 Jahren könnte ein kleiner Vorteil bestehen: Die Darmkrebssterblichkeit sank möglicherweise von 8 auf 6 pro 1.000 Personen.

Gleichzeitig ist das Risiko schwerwiegender Blutungen außerhalb des Gehirns, etwa schwere Magen-Darm-Blutungen mit Krankenhausaufenthalt oder Transfusionsbedarf – unter täglicher ASS-Einnahme eindeutig erhöht. Dieser Zusammenhang gilt als gut belegt. Über den Studienzeitraum erlitten 12 von 1.000 Personen unter ASS eine schwere Blutung, verglichen mit 8 von 1.000 ohne ASS.

Die Autor:innen betonen daher, dass ein möglicher langfristiger Nutzen sorgfältig gegen das klar nachgewiesene Blutungsrisiko abgewogen werden muss. Eine generelle Empfehlung zur Darmkrebsprävention in der Allgemeinbevölkerung lässt sich aus der aktuellen Evidenz nicht ableiten.