Es wurden alle verfügbaren Angebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen in Wien systematisch erhoben und analysiert. Identifiziert wurden dabei 368 Organisationen sowie rund 6.900 individuelle Leistungsanbieter:innen, wie etwa Psychotherapeut:innen, Psycholog:innen und Fachärzt:innen für Psychiatrie. Der Großteil der Angebote entfällt auf ambulante Leistungen mit direktem Kontakt, also Behandlungen ohne stationären Aufenthalt. Spezialisierte Angebote für bestimmte Altersgruppen oder klar definierte Zielgruppen sind selten. Bei Fachärzt:innen für Psychiatrie überwiegen die Wahlärzt:innen. Es gibt dafür eine starke räumliche Konzentration individueller Leistungsanbieter:innen in innerstädtischen Bezirken, während periphere Bezirke deutlich geringer versorgt sind.
Außerdem gibt es deutliche regionale Unterschiede. Die Analyse ergab, dass die Inanspruchnahme stark davon abhängt, welche Angebote im Wohnbezirk verfügbar sind. Eine höhere Dichte an niedergelassenen Psychiater:innen ist mit kürzeren Spitalsaufenthalten verbunden, zugleich aber auch mit einer höheren Rate an medikamentösen Behandlungen. Die Verschreibung sogenannter psychotroper Medikamente bei Erwachsenen leicht zurückging, nahm sie bei Kindern und Jugendlichen im gleichen Zeitraum zu. Jedoch zeigt sich in Wien ein Missverhältnis zwischen Wohnorten mit höherem Therapiebedarf und der tatsächlichen Verteilung der Leistungsanbieter:innen, insbesondere in den äußeren Bezirken.
Ergänzend dazu wurden erstmals sogenannte Referenzkosten für ausgewählte Leistungen im Bereich psychischer Erkrankungen berechnet. Die Ergebnisse zeigen, dass bestehende Tarife die tatsächlichen Kosten der Leistungserbringung nicht immer abbilden. Gleichzeitig wurde deutlich, dass fehlende oder schwer zugängliche Kostendaten die gesundheitspolitische Planung erschweren.