Hausärzt:in 7-8/2026
Ärzt:in Assistenz 2026

Prostatakrebs-Früherkennung: Risikoadaptiertes Vorgehen

Die Österreichische Ärztekammer und österreichische Urolog:innen sprechen sich anlässlich des Europäischen Prostata-Tages für eine risikoadaptierte Prostatakrebs-Früherkennung aus. Gleichzeitig untersucht ein Forschungsteam der Medizinischen Universität Wien, wie sich unnötige Prostatabiopsien künftig vermeiden lassen.

Prostatakrebs zählt zu den häufigsten malignen Erkrankungen des Mannes. Da frühe Tumorstadien meist symptomlos verlaufen, kommt der Früherkennung eine zentrale Bedeutung zu. Anlässlich des Europäischen Prostata-Tages sprechen sich die Österreichische Ärztekammer und der Berufsverband der Österreichischen Urologie für eine strukturierte, risikoadaptierte Früherkennung aus. Statt eines opportunistischen Vorgehens sollen individuelle Risikofaktoren stärker in die Entscheidung über weiterführende Untersuchungen einfließen. Dazu zählen insbesondere Alter, PSA-Wert, familiäre Vorbelastung und genetische Risikofaktoren. Ziel ist es, klinisch relevante Tumoren frühzeitig zu erkennen und gleichzeitig Überdiagnosen, Übertherapien sowie unnötige invasive Eingriffe zu vermeiden.

Besonders Männer ab 50 Jahren, Patienten mit familiärer Belastung sowie Männer mit entsprechenden Beschwerden sollten auf die Möglichkeiten der Früherkennung hingewiesen werden. Für diese Risikogruppen steht die Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) derzeit kostenfrei zur Verfügung.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Bedeutung, welche diagnostischen Schritte nach einem auffälligen PSA-Wert tatsächlich erforderlich sind. Ein erhöhter PSA-Wert kann zwar auf ein Prostatakarzinom hinweisen, erlaubt jedoch keine sichere Diagnose. Derzeit folgt daher bei entsprechendem Verdacht in der Regel eine histologische Abklärung mittels Prostatabiopsie.

Neue Daten der MedUni Wien deuten darauf hin, dass die PSMA-PET/CT bereits in der Erstabklärung von Patienten mit Prostatakarzinom-Verdacht einen zusätzlichen Nutzen bieten könnte. In einer post-hoc Analyse der randomisierten Phase-3-RAPID-Studie wurden 194 Patienten untersucht. Die Methode identifizierte 70 von 77 klinisch signifikanten Prostatakarzinomen und erreichte damit eine Sensitivität von 91 %. Auch die Aussagekraft eines unauffälligen Befundes war hoch. Bei 91 % der Patienten mit negativem Untersuchungsergebnis lag tatsächlich kein klinisch relevantes Karzinom vor. Zudem wurden 23 von 24 Patienten mit später aggressivem Krankheitsverlauf bereits durch die PSMA-PET/CT erkannt.

Nach Einschätzung der Studienautoren könnte die Methode künftig dazu beitragen, die Indikation zur Prostatabiopsie präziser zu stellen und unnötige Eingriffe zu vermeiden. Ob die PSMA-PET/CT künftig Bestandteil der Routinediagnostik bei erhöhtem PSA-Wert wird, müssen jedoch weitere Studien und gesundheitspolitische Entscheidungen zeigen