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Welt-Sepsis-Tag: Wenn jede Minute zählt

Anlässlich des Welt-Sepsis-Tages am 13. September weist die ÖGARI darauf hin, dass die lebensbedrohliche Komplikation einer Infektion häufig zu spät erkannt wird. Ohne rasche Diagnose und Behandlung können innerhalb kürzester Zeit lebenswichtige Organe versagen. Neue internationale Leitlinien der Surviving Sepsis Campaign liefern dafür aktualisierte Empfehlungen von der Früherkennung über die Akuttherapie bis zur Nachbetreuung von Betroffenen.

Bei Herzinfarkt und Schlaganfall ist heute weithin bekannt, dass schnelles Handeln entscheidend ist. Ein vergleichbares Bewusstsein braucht es auch für die Sepsis. Sie ist eine lebensbedrohliche Organdysfunktion infolge einer fehlregulierten Wirtsantwort auf eine Infektion. Da ihre klinische Präsentation häufig unspezifisch ist und je nach Infektionsfokus sowie Patient:innencharakteristika erheblich variieren kann, wird die Erkrankung oft nicht unmittelbar erkannt.

Zu den Warnzeichen zählen insbesondere eine rasche Verschlechterung des Allgemeinzustands, akute Verwirrtheit oder andere Bewusstseinsveränderungen, Dyspnoe beziehungsweise Tachypnoe, hämodynamische Instabilität, ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl sowie Fieber oder Hypothermie. Auch Schüttelfrost und Tachykardie können Hinweise auf eine beginnende Sepsis sein. Treten solche Symptome im Zusammenhang mit einer vermuteten oder gesicherten Infektion auf, sollte frühzeitig an eine Sepsis gedacht werden. Da sich die Erkrankung innerhalb kurzer Zeit zu einem septischen Schock und Multiorganversagen entwickeln kann, ist die rasche Identifikation von entscheidender Bedeutung. Je früher eine Sepsis erkannt und leitliniengerecht behandelt wird, desto günstiger ist die Prognose.

Die im März 2026 veröffentlichten Leitlinien der Surviving Sepsis Campaign (SSC), einer gemeinsamen Initiative der Society of Critical Care Medicine (SCCM) und der European Society of Intensive Care Medicine (ESICM), aktualisieren die evidenzbasierten Empfehlungen zum Sepsismanagement entlang der gesamten Versorgungskette. Sie umfassen die Früherkennung, Diagnostik, antiinfektive Therapie, hämodynamische Stabilisierung sowie die strukturierte Nachsorge von Patient:innen nach überstandener Sepsis.

Ein Schwerpunkt der aktualisierten Empfehlungen liegt auf der frühzeitigen Identifikation von Patient:innen mit Sepsis. Empfohlen wird der Einsatz standardisierter Screening-Instrumente zur systematischen Erfassung von Veränderungen vitaler Parameter wie Blutdruck, Herzfrequenz, Atemfrequenz, Körpertemperatur und Bewusstseinslage. Als geeignete Instrumente werden insbesondere NEWS, NEWS2, MEWS sowie die SIRS-Kriterien genannt. Von einer alleinigen Verwendung des qSOFA-Scores zur Sepsiserkennung wird hingegen abgeraten. Die Leitlinien betonen zudem, dass Sepsis weiterhin eine klinische Diagnose bleibt und weder durch einzelne Laborparameter noch durch einen spezifischen diagnostischen Test zuverlässig bestätigt oder ausgeschlossen werden kann. Bei klinischem Verdacht sollen unter anderem Serumlaktat und Blutkulturen bestimmt werden, ohne den Therapiebeginn zu verzögern.

Besonders eindeutig fallen die Empfehlungen zur antiinfektiven Therapie aus. Bei septischem Schock sowie bei wahrscheinlicher oder gesicherter Sepsis soll eine kalkulierte Antibiotikatherapie unverzüglich und möglichst innerhalb einer Stunde nach Diagnosestellung eingeleitet werden. Besteht lediglich der Verdacht auf eine Sepsis ohne Vorliegen eines Schocks, wird eine rasche diagnostische Abklärung empfohlen. Erhärtet sich der Verdacht, sollte die Antibiotikatherapie innerhalb von drei Stunden begonnen werden. Darüber hinaus unterstreichen die Leitlinien die Bedeutung einer raschen hämodynamischen Stabilisierung zur Sicherstellung einer adäquaten Organperfusion. Empfohlen werden eine situationsadaptierte Volumentherapie sowie bei Bedarf der frühzeitige Einsatz vasoaktiver Substanzen. Die Behandlung soll kontinuierlich an den klinischen Zustand und das Ansprechen der Patient:innen angepasst werden.

Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die Nachsorge von Sepsisüberlebenden. Nach schwerer Sepsis und intensivmedizinischer Behandlung können körperliche, kognitive und psychische Einschränkungen persistieren. Hierzu zählen unter anderem Muskelschwäche, reduzierte körperliche Belastbarkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie psychische Belastungen. Diese Symptomkonstellationen können Teil eines Post-Intensive-Care-Syndroms (PICS) sein. Die SSC empfiehlt daher, Patient:innen und Angehörige bereits vor der Entlassung über mögliche Langzeitfolgen einer Sepsis und intensivmedizinischen Behandlung aufzuklären. Darüber hinaus sollen Überlebende einer kritischen Erkrankung Zugang zu strukturierten Nachsorgeangeboten erhalten. Nach prolongierter Beatmung wird eine gezielte körperliche Rehabilitation empfohlen, psychische Belastungen sollen systematisch erfasst und behandelt werden.

Aus Sicht der ÖGARI unterstreichen die neuen internationalen Empfehlungen die Bedeutung strukturierter Behandlungspfade von der Früherkennung bis zur Nachbetreuung. Ergänzend steht in Österreich das ÖGARI-Konsensuspapier zur Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Sepsis aus dem Jahr 2023 zur Verfügung.

"Vom ersten Verdacht über die Akutbehandlung bis zur Nachsorge darf möglichst keine Lücke entstehen", fasst Prim. Priv.-Doz. Dr. Michael Zink, Präsident der ÖGARI, zusammen.