Die S3-Leitlinie entstand unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin e. V. (DGP) unter Beteiligung von 70 weiteren Fachgesellschaften und Organisationen. Ziel der Aktualisierung war es, die Lebensqualität von Patient:innen mit fortgeschrittener, nicht heilbarer Tumorerkrankung sowie ihrer Angehörigen zu erhalten oder zu verbessern.
Krebserkrankungen zählen nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den häufigsten Todesursachen in Österreich. Parallel zur steigenden Bedeutung der Palliativversorgung hat sich das Fachgebiet in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt dabei auf der konsequenten Ausrichtung der Versorgung an den Bedürfnissen und Präferenzen von Patient:innen in palliativen Situationen sowie ihres sozialen Umfelds.
Neu berücksichtigt wird die hohe psychosoziale Belastung von Angehörigen und Nahestehenden. Diese übernehmen häufig zentrale Aufgaben in der Betreuung, sind jedoch selbst erheblichen emotionalen, sozialen und organisatorischen Belastungen ausgesetzt. Die Leitlinie empfiehlt daher eine strukturierte Erfassung von Belastungen und Unterstützungsbedarfen sowie die Einleitung geeigneter Maßnahmen. Dazu zählen unter anderem Angebote zur Förderung der Selbstfürsorge und zur Trauerbegleitung. Die Unterstützung von Angehörigen wird ausdrücklich als multiprofessionelle Aufgabe verstanden.
Ebenfalls neu aufgenommen wurde der Themenbereich Spiritualität. Studien zeigen, dass sich viele Patient:innen in palliativen Lebensphasen sowie ihre Angehörigen mit existenziellen Fragen, persönlichen Werten und religiösen beziehungsweise spirituellen Aspekten auseinandersetzen. Hinweise deuten darauf hin, dass mangelnde Sinn- oder Orientierungserfahrungen mit einer geringeren Lebensqualität sowie einer stärkeren Ausprägung von Angst- und Depressionssymptomen assoziiert sein können. Im klinischen Alltag bestehen aber Defizite bei der systematischen Berücksichtigung spiritueller Bedürfnisse. In der aktualisierten Leitlinie findet das Fachpersonal daher Hinweise zur Erfassung von spirituellen Bedürfnissen.
Neben der Integration dieser beiden Kapitel wurden sämtliche bestehenden Empfehlungen einer systematischen Überprüfung unterzogen und bei Bedarf aktualisiert. Anpassungen betreffen unter anderem die medikamentöse Behandlung von Dyspnoe, Übelkeit und Erbrechen. Darüber hinaus wurden Empfehlungen zu Tumorschmerzen, zur Therapie opioidinduzierter Obstipation sowie zum Management tumorassoziierter Fatigue überarbeitet.