Die Ärztestatistik 2025 zeigt, dass die Zahl der in Österreich tätigen Ärzt:innen zum 31. Dezember 2025 bei 53.353 lag. Der Frauenanteil beträgt mittlerweile 50,4 %. Besonders hoch ist der Anteil von Ärztinnen in der Allgemeinmedizin mit 60,3 % sowie bei Turnusärzt:innen mit 57,9 %. Unter den Fachärzt:innen sind 43 % Frauen. Im Vergleich zu 2015 sind Ärztinnen heute in allen Tätigkeitsbereichen deutlich stärker vertreten, erklärte ÖÄK-Kammeramtsdirektor Lukas Stärker. Zwar arbeiten Frauen weiterhin häufiger ausschließlich im Angestelltenverhältnis als Männer, zugleich steigt jedoch ihre Präsenz im niedergelassenen Bereich kontinuierlich. Während sich der Anteil der Männer im Wahlarztsektor kaum verändert habe, würden Ärztinnen dort deutlich aufholen.
Auch die Altersstruktur der Ärzteschaft hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert. Rund ein Drittel (32,7 %) aller Ärzt:innen ist älter als 55 Jahre. Diese Gruppe wird innerhalb der kommenden zehn Jahre das Regelpensionsalter erreichen oder überschreiten. Besonders ausgeprägt zeigt sich diese Entwicklung im niedergelassenen Bereich, der für die wohnortnahe Versorgung von zentraler Bedeutung ist und dessen Altersgipfel bei 63 Jahren liegt. Insgesamt werden in den nächsten zehn Jahren 18.346 Ärzt:innen das 65. Lebensjahr erreichen. Trotz der Anhebung des Regelpensionsalters für Frauen ergibt sich daraus ein jährlicher Nachbesetzungsbedarf von rund 1.836 Ärzt:innen, allein um die derzeitige Zahl an Ärzt:innen aufrechtzuerhalten, so Stärker.
Die häufig zitierte OECD-Statistik zur Ärztedichte müsse nach Ansicht der ÖÄK differenziert betrachtet werden. Österreich liegt mit 5,64 Ärzt:innen je 1.000 Einwohner:innen auf Platz drei der Vergleichsländer hinter Griechenland und Italien. Allerdings unterscheiden sich die Datengrundlagen zwischen den Ländern teilweise erheblich. So werden etwa im Vereinigten Königreich Ärzt:innen außerhalb des National Health Service nur teilweise erfasst, in Tschechien Privatärzt:innen gar nicht und in Belgien nur Ärzt:innen mit einer bestimmten Mindestanzahl an Patient:innen. Auch Ärzt:innen in Ausbildung oder außerhalb der unmittelbaren klinischen Versorgung, etwa in Forschung, Labor oder Arbeitsmedizin, werden in vielen Ländern nur teilweise oder gar nicht berücksichtigt.
ÖÄK-Präsident Johannes Steinhart betonte, dass Österreich grundsätzlich über ausreichend Ärzt:innen verfüge, um die medizinische Versorgung sicherzustellen. Das Problem sei nicht ein genereller Ärztemangel, sondern ein Mangel an Ärzt:innen im öffentlichen Versorgungssystem, sowohl im Kassenbereich als auch in den Krankenhäusern. Positiv bewertete Steinhart, dass im Zuge der Gesundheitsreform auch Teilkassenstellen berücksichtigt werden. Angesichts des zunehmenden Trends zu Teilzeitmodellen müssten die personellen Kapazitäten künftig aber höher angesetzt werden, um das bestehende Versorgungsniveau zu erhalten.
Mit Blick auf die zukünftige Versorgung forderte Steinhart einen weiteren Ausbau des öffentlichen Gesundheitssystems. Das stark wachsende Wahlarztsystem sei nach seiner Einschätzung auch eine Folge struktureller Probleme im Kassensystem und zunehmender Versorgungslücken. Statt Wahlärzt:innen zu kritisieren oder einzuschränken, müsse an den Ursachen dieser Entwicklung angesetzt werden. Leistungen von Wahlärzt:innen seien für die Sozialversicherung zudem vergleichsweise kostengünstig, da maximal 80 % der Kassentarife rückerstattet würden. Ohne diesen Bereich müssten deutlich größere Versorgungsengpässe bewältigt werden. Die Ärztestatistik zeige außerdem, dass sich insbesondere viele Ärztinnen im Laufe ihrer beruflichen Laufbahn für eine Wahlarztordination entscheiden. Ausschlaggebend seien häufig die größere zeitliche Flexibilität und die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sollten die Arbeitsbedingungen im Kassensystem nicht verbessert werden, dürfte sich diese Entwicklung weiter verstärken, so Steinhart.
Darüber hinaus sprach sich der ÖÄK-Präsident für eine EU-weite Mindestquote an Medizinstudienplätzen aus, um Abwanderungseffekte zwischen den Mitgliedstaaten zu reduzieren. Außerdem sollten in Österreich Absolvent:innen des Medizinstudiums unmittelbar nach Studienabschluss Zugang zu Ausbildungsstellen erhalten. Junge Ärzt:innen benötigten verlässliche Perspektiven und sollten nicht über Jahre auf einen Ausbildungsplatz warten müssen. Die Verantwortung für ausreichende Ausbildungskapazitäten liege wesentlich bei den Krankenhausträgern. Gleichzeitig seien erfahrene Ärzt:innen unverzichtbar für die Ausbildung des Nachwuchses.