Die verspätete Auslieferung von rund 868.000 Dosen des Influenza-Impfstoffs Influvac sorgt wenige Wochen vor Beginn der Grippesaison für Diskussionen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums soll die Verzögerung aufgrund von Produktionsproblemen und internationalen Lieferengpässen jedoch keine wesentlichen Auswirkungen auf den Impfschutz der Bevölkerung haben, sofern keine weiteren Verzögerungen eintreten.
"Wir wissen nicht, wann die Saison genau beginnt", erklärte Maria Paulke-Korinek, Leiterin der Abteilung für Impfwesen im Gesundheitsministerium. Die Influenza-Impfung werde üblicherweise Ende Oktober oder im November empfohlen. Entscheidend sei, dass die Impfstoffe rechtzeitig vor einer stärkeren Viruszirkulation verfügbar seien.
Bereits ausgeliefert werden der nasale Influenza-Impfstoff für Kinder im Alter von zwei bis 18 Jahren sowie die Vakzine für Personen ab 60 Jahren und definierte Risikogruppen. Für Säuglinge ab sechs Monaten, Schwangere sowie Kontaktpersonen von Neugeborenen wird mit ersten verfügbaren Mengen ab den Kalenderwochen 43 und 44 gerechnet. Von den Lieferverzögerungen betroffen ist mit Influvac jener Influenza-Impfstoff, der im Rahmen des öffentlichen Impfprogramms am häufigsten eingesetzt wird. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wird mit der vollständigen Auslieferung der noch ausstehenden Impfstoffmengen bis Mitte November gerechnet.
Für die Saison 2026/27 wurden insgesamt knapp 1,7 Millionen kostenfreie Influenza-Impfdosen bestellt, was einem Anstieg von rund 12 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Vorgesehen sind etwa 259.000 Dosen für Kinder und Jugendliche zwischen zwei und 18 Jahren sowie rund 538.000 Dosen für Personen ab 50 Jahren. Weitere 100.000 Dosen für Säuglinge, Schwangere und Risikopatient:innen befinden sich laut Gesundheitsministerium in Auslieferung.
Die Lieferschwierigkeiten treffen auf weiterhin geringe Influenza-Impfquoten. In der Saison 2025/26 lag die Durchimpfungsrate in der Gesamtbevölkerung bei rund 13 %, bei den über 65-Jährigen bei etwa 24 %. Langfristig soll die Impfquote bei älteren Menschen und anderen Risikogruppen auf 75 % erhöht werden.
Für die Österreichische Ärztekammer zeigt die aktuelle Situation bestehende Defizite im öffentlichen Impfprogramm auf. "Fakt ist, dass es immer noch Unzulänglichkeiten beim öffentlichen Impfprogramm gibt", sagte Rudolf Schmitzberger, Leiter des Referats für Impfangelegenheiten. Neben den aktuellen Lieferverzögerungen verwies er auf wiederkehrende Probleme bei der Verfügbarkeit einzelner Impfstoffe sowie auf Schwierigkeiten im Bestellprozess über den e-Impfshop.
Die Bedeutung präventiver Impfungen wird laut Expert:innen durch die aktuelle epidemiologische Situation zusätzlich unterstrichen. "Während der Covid-19-Pandemie mit den entsprechenden Schutzmaßnahmen sind manche Erkrankungen fast gar nicht aufgetreten. Jetzt sehen wir praktisch das Gegenteil: eine Co-Zirkulation von Covid-19, Influenza, Pneumokokken, RSV und anderen", erklärte der Pneumologe Arschang Valipour. Gerade bei älteren Menschen könne jede Infektion zu einem nachhaltigen Verlust von Muskelkraft, Mobilität und Selbstständigkeit führen. Darüber hinaus erhöhe eine durchgemachte Atemwegsinfektion häufig die Anfälligkeit für weitere Infektionen. "Impfungen können diesen Kreislauf an mehreren Stellen durchbrechen", betonte Valipour.
Aktuelle Abwasseranalysen und Krankenhausdaten zeigen bereits einen leichten Anstieg der COVID-19-Fallzahlen. Entsprechend empfehlen die aktuellen Impfempfehlungen neben der Influenza-Impfung auch Auffrischungsimpfungen gegen SARS-CoV-2 sowie Impfungen gegen Pneumokokken und RSV für ältere Menschen und definierte Risikogruppen. Rudolf Schmitzberger erinnerte in diesem Zusammenhang daran: "Die Realität ist aber: SARS-CoV-2 ist nicht verschwunden, sondern wird uns weiterhin begleiten."
Für Hausärzt:innen bedeutet die aktuelle Liefersituation vor allem eine Priorisierung besonders gefährdeter Patient:innengruppen. Bis zur vollständigen Verfügbarkeit aller Impfstoffchargen sollten insbesondere ältere Menschen, Personen mit chronischen Erkrankungen, Schwangere sowie weitere Risikopatient:innen bevorzugt versorgt werden. Nach Einschätzung des Gesundheitsministeriums bleibt trotz der Lieferverzögerung ausreichend Zeit für eine Immunisierung vor dem erwarteten Höhepunkt der Influenzasaison. Die aktuelle Situation verdeutlicht jedoch einmal mehr die Bedeutung verlässlicher Lieferketten und einer planbaren Impfstoffversorgung für die Umsetzung von Impfempfehlungen in der Praxis.