Jeder dritte Mensch mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes entwickelt innerhalb von fünf Jahren eine chronische Nierenerkrankung (CKD), eine Herzinsuffizienz oder verstirbt. Darauf deuten Daten einer großen Real-World-Analyse hin, die auf der EASD-Jahrestagung 2026 vorgestellt wurden. Die Ergebnisse unterstreichen die hohe kardiorenale Krankheitslast bereits in den ersten Jahren nach der Diagnose, sollten aufgrund des Beobachtungsdesigns jedoch mit Vorsicht interpretiert werden.
Das Team um Naveed Sattar von der University of Glasgow analysierte Routinedaten von 1,6 Millionen Erwachsenen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes aus den USA. Das Durchschnittsalter lag bei 59 Jahren, 51,3 % der Betroffenen waren Frauen. Begleiterkrankungen waren häufig: 72,2 % hatten eine Dyslipidämie und 68,4 % eine Hypertonie. Für lediglich 12,8 % der Patient:innen lagen BMI-Daten vor, der mediane BMI betrug 30,9 kg/m2.
Innerhalb von fünf Jahren nach der Diabetesdiagnose entwickelte knapp jede fünfte Person zunächst eine CKD (19,0 %), während eine Herzinsuffizienz als erste kardiale Komplikation deutlich seltener auftrat (8,3 %). Dies spricht dafür, dass Nierenschäden bei vielen Betroffenen bereits früh im Krankheitsverlauf klinisch relevant werden.
Bemerkenswert war zudem die enge Verknüpfung von Herz- und Nierenerkrankungen: Entwickelten Patient:innen zunächst eine CKD, lag ihr Risiko für eine nachfolgende Herzinsuffizienz innerhalb von fünf Jahren bei 22,7 %. Trat dagegen zuerst eine Herzinsuffizienz auf, entwickelte sich bei 42,0 % innerhalb der folgenden fünf Jahre zusätzlich eine CKD. Die Daten verdeutlichen damit die bekannte wechselseitige Beziehung zwischen Herz- und Nierenschädigung im Rahmen eines Typ-2-Diabetes. Insgesamt lag das kombinierte Risiko für CKD, Herzinsuffizienz oder Tod innerhalb von fünf Jahren bei 32,9 % und nach zehn Jahren bei 55,1 %.
Die Ergebnisse sollten vor dem Hintergrund des Beobachtungsdesigns interpretiert werden. Da die Analyse auf US-amerikanischen Routinedaten basiert und keine Vergleichsgruppe ohne Typ-2-Diabetes einschloss, lassen sich weder kausale Zusammenhänge noch Aussagen zum zusätzlichen Risiko gegenüber der Allgemeinbevölkerung ableiten.
Dennoch verdeutlichen die Daten die hohe kardiorenale Krankheitslast bereits in den ersten Jahren nach der Diagnose eines Typ-2-Diabetes. Für Hausärzt:innen unterstreichen sie die Bedeutung einer frühzeitigen Risikoevaluation sowie eines konsequenten Screenings auf Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.