Abgelöste oder verfärbte Nägel sowie Veränderungen von Haaren und Kopfhaut treten bei Menschen unter Therapie mit GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) deutlich häufiger auf als bei vergleichbaren Personen mit Typ-2-Diabetes und/oder Adipositas ohne entsprechende Medikation. Darauf weisen zwei Analysen einer multinationalen Querschnittsstudie hin, die auf dem EADV-Kongress 2026 vorgestellt wurden. Die Befunde zeigen Assoziationen, erlauben jedoch keine Rückschlüsse auf einen ursächlichen Zusammenhang.
Für die Untersuchungen wurden 575 Anwender:innen von GLP-1-RA mit 1.329 Personen mit Typ-2-Diabetes und/oder Adipositas (BMI ≥ 30 kg/m2) verglichen, die noch nie mit dieser Wirkstoffklasse behandelt worden waren. Die Teilnehmer:innen stammten aus Frankreich, den USA, Brasilien und Mexiko. Die durchschnittliche Behandlungsdauer mit GLP-1-RA betrug 18,5 Monate, der Median lag bei neun Monaten.
In der Analyse zu Nagelveränderungen berichteten 66,3 % der GLP-1-RA-Anwender:innen über mindestens eine Nagelstörung, verglichen mit 52,8 % in der Kontrollgruppe. Besonders ausgeprägt war der Unterschied bei Nagelablösungen. 39,3 % der Behandelten berichteten über dieses Ereignis gegenüber 8,7 % der Kontrollen (OR 6,84; 95-%-KI 5,30-8,81; p < 0,001). Auch Nagelverfärbungen (45,6 % vs. 17,0 %), Onycholysen, Brüchigkeit sowie Rillen und Furchen der Nägel wurden unter GLP-1-RA signifikant häufiger angegeben.
Bemerkenswert ist, dass die Unterschiede auch in Analysen bestehen blieben, die auf Personen mit dokumentiertem Gewichtsverlust beschränkt waren. Zudem unterschied sich das Ausmaß des Gewichtsverlusts nicht zwischen Teilnehmer:innen mit und ohne Veränderungen an Haaren, Kopfhaut oder Nägeln. Dies spricht dafür, dass neben der Gewichtsabnahme weitere Faktoren an der Entstehung beteiligt sein könnten.
"Bislang waren Nagelveränderungen im Zusammenhang mit GLP-1-Therapien im Wesentlichen nur anekdotisch beschrieben“, erklärte Studienautor Charles Taïeb. Die Ergebnisse zeigten zwar einen klaren Zusammenhang, jedoch sei nicht jedes Ereignis während einer GLP-1-Therapie zwangsläufig auf die Behandlung selbst zurückzuführen.
Tatsächlich berichtete etwa die Hälfte der Betroffenen, bereits vor Therapiebeginn Nagelprobleme gehabt zu haben. Nach Adjustierung für dermatologische Erkrankungen und mögliche Nährstoffmängel schwächten sich die beobachteten Zusammenhänge ab. Nagelablösungen und Nagelverfärbungen traten jedoch weiterhin etwa zwei- bis dreimal häufiger auf als in der Kontrollgruppe.
Die zweite Analyse untersuchte Veränderungen von Haaren und Kopfhaut. Ungewöhnlich starker Haarausfall wurde von 50,4 % der GLP-1-RA-Anwender berichtet, verglichen mit 33,5 % der Kontrollpersonen (OR 4,49; p < 0,001). Ein nach Therapiebeginn neu aufgetretener Haarausfall wurde von 26,1 % versus 11,6 % angegeben. Zudem berichteten 42,4 % über einen Verlust von Haarvolumen oder Haardichte gegenüber 19,3 % in der Kontrollgruppe. Auch Rötungen der Kopfhaut waren unter GLP-1-RA etwa dreimal häufiger.
Nach Angaben von Studienautor Bruno Halioua trat der Haarausfall bei GLP-1-RA-Anwendern nur selten isoliert auf. In den meisten Fällen bestand gleichzeitig eine Symptomatik der Kopfhaut mit Juckreiz, Rötung oder Schuppung. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Veränderungen nicht allein einem telogenen Effluvium infolge der Gewichtsreduktion entsprechen, sondern zusätzlich entzündliche Prozesse der Kopfhaut eine Rolle spielen.
Die Autor:innen sehen keinen Anlass, eine wirksame GLP-1-Therapie aufgrund dieser Befunde abzusetzen. Die Ergebnisse sollen vielmehr für mögliche dermatologische Begleiterscheinungen sensibilisieren. Bei neu aufgetretenem Haarausfall, Kopfhautbeschwerden oder Nagelveränderungen kann eine gezielte Anamnese, eine kurze Inspektion von Kopfhaut und Nägeln sowie die Abklärung möglicher Nährstoffmängel, etwa von Eisen, Zink oder Vitamin D, sinnvoll sein. Die Veränderungen sind nach Einschätzung der Forscher:innen meist gutartig und potenziell behandelbar.