Hausärzt:in 05/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Neue Therapieoption bei Lungenfibrose

Die EMA hat eine positive Stellungnahme zur Erteilung einer EU-weiten Zulassung für Nerandomilast abgegeben. Das Arzneimittel ist zur Behandlung erwachsener Patient:innen mit idiopathischer pulmonaler Fibrose (IPF) sowie progressiver pulmonaler Fibrose (PPF) vorgesehen.

Beide Krankheitsbilder sind durch eine progrediente und irreversible Fibrosierung des Lungenparenchyms gekennzeichnet, die mit einer kontinuierlichen Verschlechterung der Lungenfunktion einhergeht. Die verfügbaren therapeutischen Optionen sind begrenzt und der Krankheitsverlauf ist häufig durch zunehmende Dyspnoe, wiederholte Hospitalisierungen sowie eine verkürzte Lebenserwartung geprägt.

Nerandomilast stellt einen neuen Therapieansatz dar und unterscheidet sich mechanistisch von den derzeit zugelassenen antifibrotischen Behandlungen. Der Wirkstoff gehört zur Klasse der Phosphodiesterase-4-(PDE4)-Inhibitoren mit selektiver Hemmung der Isoform PDE4B. Dieses Enzym spielt eine zentrale Rolle in inflammatorischen und fibrotischen Signalwegen der Lunge. Durch die Inhibition von PDE4B werden sowohl entzündliche Prozesse als auch die Fibrosierung des Lungengewebes moduliert.

Die Empfehlung der EMA basiert auf zwei randomisierten, placebokontrollierten Phase-III-Studien mit insgesamt 2.355 Patient:innen mit IPF oder PPF. Primärer Endpunkt war die jährliche Veränderung der forcierten Vitalkapazität (FVC), einem etablierten Surrogatparameter für Krankheitsprogression.

In beiden Studien zeigte sich unter Nerandomilast eine signifikant geringere Abnahme der FVC im Vergleich zu Placebo, unabhängig davon, ob die Behandlung als Monotherapie oder additiv zu einer bestehenden antifibrotischen Hintergrundtherapie erfolgte. Zu Studienbeginn erhielten ca. 78 % der IPF-Patient:innen und 44 % der PPF-Patient:innen eine solche Begleitmedikation.

In der IPF-Kohorte betrug die mittlere FVC-Abnahme nach 52 Wochen 115 ml unter 18 mg Nerandomilast zweimal täglich bzw. 139 ml unter 9 mg zweimal täglich, verglichen mit 183 ml unter Placebo. In der PPF-Kohorte lagen die entsprechenden Werte bei 99 ml bzw. 85 ml gegenüber 166 ml in der Placebogruppe. Zusätzlich ergaben die Daten Hinweise auf eine Reduktion der Mortalität unter der Behandlung mit Nerandomilast.

Das Sicherheitsprofil war insgesamt konsistent mit dem Wirkmechanismus eines PDE4-Inhibitors. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse waren Diarrhö und Gewichtsverlust.