In die Untersuchung wurden 4.267 Patient:innen mit stabiler Angina pectoris eingeschlossen, bei denen eine Koronar-CT durchgeführt worden war. Dabei zeigten sich deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede in der Plaquemorphologie und -verteilung.
Atherosklerotische Plaques konnten bei 75 % der Männer, jedoch nur bei 55 % der Frauen nachgewiesen werden. Darüber hinaus war die mittlere Plaquelast bei Frauen etwa halb so groß wie bei männlichen Studienteilnehmern. Trotz dieser Unterschiede ergaben sich in der klinischen Ereignisrate (kombinierter Endpunkt aus Tod, Myokardinfarkt oder Hospitalisierung aufgrund instabiler Angina pectoris) nur geringe Differenzen: 2,3 % bei Frauen gegenüber 3,4 % bei Männern.
Von besonderem Interesse ist die Analyse der Risikokurve. Bei Frauen überschritt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse bereits bei einer Plaquebürde von etwa 20 % die Neutralitätsschwelle, während dies bei Männern erst ab ca. 28 % der Fall war. Ein vergleichbares Muster zeigte sich auch bei nicht verkalkten Plaques. Zudem war der Anstieg des Risikos mit zunehmender Plaquelast bei Frauen ausgeprägter als bei Männern.
Die Studienautor:innen leiten daraus ab, dass die Interpretation der Plaquelast in der Koronar-CT geschlechtsspezifisch angepasst werden sollte. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Frauen trotz geringerer Plaquemenge kein reduziertes Risiko für koronare Ereignisse haben. Vielmehr scheint bereits eine moderate Zunahme der Plaquebelastung bei Patientinnen mit einem überproportionalen Risiko einherzugehen. Dies legt nahe, dass etablierte Schwellenwerte zur Definition eines hohen kardiovaskulären Risikos das tatsächliche Risiko bei Frauen potenziell unterschätzen.