Fieber ist ein häufiges Leitsymptom in der Pädiatrie und macht einen erheblichen Anteil ambulanter Konsultationen sowie Notfallkontakte aus. Es stellt in den meisten Fällen eine physiologische, immunologisch sinnvolle Reaktion dar und sollte daher nicht primär als behandlungsbedürftiger Zustand verstanden werden.
Eine routinemäßige Fiebersenkung wird nicht empfohlen. Die Indikation zur Gabe von Antipyretika richtet sich ausschließlich nach der klinischen Beeinträchtigung des Kindes, nicht nach der gemessenen Körpertemperatur. Ziel ist die Verbesserung des Wohlbefindens.
Im Rahmen des häuslichen Managements sollten Bezugspersonen darüber aufgeklärt werden, dass Kinder während des Fieberanstiegs häufig frieren (z. B. Schüttelfrost, kalte Akren). In dieser Phase ist eine Unterstützung des Wärmebedürfnisses sinnvoll, durch Zudecken, Ruhe und Nähe.
Antipyretika wie Paracetamol oder Ibuprofen sollen nur bei deutlicher Beeinträchtigung und nur zeitlich begrenzt eingesetzt werden. Der Einsatz von Antibiotika ist streng zu indizieren, Fieber allein stellt keine Verordnungsindikation dar. Dies dient der Vermeidung unnötiger Therapien und der Reduktion von Antibiotikaresistenzen.
Bei Neugeborenen und Säuglingen unter 3 Monaten wird die rektale Temperaturmessung mittels Digitalthermometer empfohlen. Bei Kindern ab einem Jahr kann ein Infrarot-Trommelfellthermometer verwendet werden.
Besondere Aufmerksamkeit erfordern Säuglinge unter 3 Monaten mit Temperaturen > 40 °C, da hier ein erhöhtes Risiko für schwere bakterielle Infektionen besteht. Bei älteren Kindern korreliert die Fieberhöhe hingegen nicht signifikant mit der Prognose.
Eltern bzw. Bezugspersonen sollen gezielt über Warnzeichen aufgeklärt werden, die eine umgehende ärztliche Abklärung erfordern. Dazu zählen:
- Bewusstseinsveränderungen
- Berührungsempfindlichkeit, starke Schmerzen
- Petechien oder andere Hauteinblutungen
- Zeichen der Dehydratation
- Verlängerte Rekapillarisierungszeit (> 3 Sekunden)
- sehr blasse/graue/blaue Haut
- Fieberdauer über drei Tage
Insgesamt fördert die Leitlinie ein rationales, evidenzbasiertes Vorgehen im Umgang mit Fieber und stärkt sowohl die Patient:innensicherheit als auch die Ressourcenorientierung in der ambulanten Versorgung.