Im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie wurde erneut die Bedeutung von Impfungen in der kardiovaskulären Prävention hervorgehoben.
Die Assoziation zwischen Atemwegsinfektionen und kardiovaskulären Ereignissen ist gut belegt: So ist das Risiko für einen akuten Myokardinfarkt in den ersten sieben Tagen nach einer Influenza-Infektion bei Menschen über 35 Jahren um das Sechsfache erhöht. 1 Darüber hinaus konnte eine große multinationale Studie zeigen, dass die Influenza-Impfung bei Patient:innen mit kardiovaskulären Vorerkrankungen das Risiko schwerer kardiovaskulärer Ereignisse (MACE) nach Myokardinfarkt um etwa 28 % reduziert. 2
Auch für andere respiratorische Erreger bestehen relevante Zusammenhänge: Pneumokokkeninfektionen betreffen insbesondere ältere und vorerkrankte Patient:innen. Metaanalysen zeigen, dass eine Pneumokokken-Impfung mit einer Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse um etwa 30 % assoziiert ist. 3
Für das Respiratorische Synzytialvirus (RSV) deuten aktuelle Daten auf deutlich erhöhte Inzidenzen akuter kardiovaskulärer Ereignisse in den ersten Tagen nach Infektion hin 4. Bei COVID-19 treten zusätzlich auch langfristig vermehrt kardiovaskuläre Komplikationen auf. 5
Akute Infektionen führen zu systemischer Inflammation, endothelialer Dysfunktion und erhöhter Gerinnungsneigung. Dies kann zur Destabilisierung atherosklerotischer Plaques beitragen und akute Ereignisse wie Myokardinfarkte auslösen. Zusätzlich sind direkte myokardiale Schädigungen (z. B. Myokarditis) sowie langfristige strukturelle Veränderungen bis hin zur Herzinsuffizienz möglich.
Relevante Impfungen mit kardiovaskulärem Zusatznutzen (insbesondere ≥60 Jahre) sind Influenza, SARS-CoV-2, RSV, Pneumokokken, Varizella-Zoster-Virus (VZV). Impfungen sollten aktiv als Bestandteil der kardiovaskulären Sekundärprävention verstanden und systematisch in die Versorgung integriert werden.
Trotz der guten Evidenzlage sind die Impfquoten bei über 60-Jährigen weiterhin unzureichend. Ärzt:innen sollten daher gezielt auf den doppelten Nutzen von Impfungen hinweisen – als Schutz vor Infektionskrankheiten und als effektive Maßnahme der kardiovaskulären Prävention.