Hausärzt:in 03/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Migräne frühzeitig erkennen

Bei Verdacht auf Migräne sollte die Patient:in eine Neurolog:in aufsuchen, um eine gesicherte Diagnose und leitliniengerechte Therapie zu ermöglichen. Die folgende Checkliste unterstützt dabei, typische Symptome zu erkennen und zu entscheiden, wann eine Überweisung sinnvoll ist.

Migräne ist eine häufige, klinisch relevante neurologische Erkrankung mit einer Prävalenz von etwa 12 – 13 % weltweit. Sie geht mit einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität einher und betrifft Frauen signifikant häufiger als Männer. Unbehandelt besteht das Risiko einer Chronifizierung.

Trotz der hohen Krankheitslast wird Migräne sowohl im sozialen Umfeld als auch von Betroffenen selbst häufig unterschätzt. In der Folge kommt es nicht selten zur Eigenmedikation, was das Risiko für einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz erhöht.

Die therapeutischen Möglichkeiten haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Es stehen sowohl Akuttherapeutika zur Behandlung von Migräneattacken als auch prophylaktische Therapieoptionen zur Verfügung, mit dem Ziel, Frequenz und Intensität der Attacken zu reduzieren. Eine Indikation zur Prophylaxe besteht in der Regel ab 4 Migränetagen pro Monat.

Voraussetzung für eine leitliniengerechte Therapie ist eine gesicherte Diagnose durch eine Fachärzt:in für Neurologie. Die erstmalige Verschreibung dieser Medikamente muss durch die Fachärzt:in erfolgen, die nachfolgenden Verschreibungen kann die Hausärzt:in übernehmen.

Leitsymptom der Migräne sind Kopfschmerzen mit charakteristischen klinischen Merkmalen, die eine Differenzierung von anderen Kopfschmerzformen ermöglichen. Typische Symptome sind:

  • pulsierende, pochende oder stechend-bohrende Schmerzqualität
  • häufig einseitige Lokalisation (nicht obligat)
  • Zunahme der Schmerzintensität bei körperlicher Belastung (z. B. Treppensteigen)
  • mittelstarke bis starke Schmerzintensität
  • begleitende Übelkeit und/oder Erbrechen
  • Photo-, Phono- und Osmophobie
  • Eine positive Familienanamnese ist häufig und weist auf eine genetische Prädisposition hin.

Bei Migräne mit Aura treten zusätzliche Symptome auf, dazu zählen:

Visuelle Symptome:

  • Flimmerskotome
  • Gesichtsfeldausfälle
  • fortschreitende visuelle Phänomene (z. B. Zickzacklinien, geometrische Formen, Lichtblitze)

Sensibilitätsstörungen:

  • Parästhesien oder Hypästhesien, meist beginnend an den Händen, mit Ausbreitung auf Arm und Gesicht

Sprachstörungen:

  • Dysarthrie
  • Wortfindungsstörungen

Selten:

  • motorische Defizite bis hin zu passageren Paresen

Bei entsprechendem klinischem Bild ist eine neurologische Abklärung indiziert. Zur Unterstützung der Diagnosestellung und Therapiekontrolle wird die Führung eines Kopfschmerztagebuchs über mindestens vier Wochen empfohlen, um Schmerztyp, Dauer, Auslöser und eingenommene Medikamente zu dokumentieren.