Hausärzt:in 6/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Mehr Rettungseinsätze in Wien durch Hitzewellen – nächtliche Hitze als Schlüssel-Faktor

Eine neue Studie der MedUni Wien und der Berufsrettung Wien liefert belastbare Daten darüber, wie stark sich Hitzewellen konkret auf die Einsatzbelastung eines mitteleuropäischen Rettungsdienstes auswirken. Wiener Rettungsdienst-Daten aus 4 Jahren zeigen: Vor allem Kinder, ältere Menschen und Atemwegspatient:innen leiden unter Hitzewellen. Und: Die Erholung in der Nacht ist entscheidend.

Für die Analyse wurden 936.461 Rettungseinsätze aus den Jahren 2018 bis 2021 mit kleinräumigen Wetterdaten von 506 Messpunkten in Wien verknüpft. Die Zahl der täglichen Rettungseinsätze stieg an Tagen mit mindestens 20,5 Grad an zumindest zwei aufeinanderfolgenden Tagen um rund 8 bis 9 %. Dieser Effekt blieb auch nach Berücksichtigung von Jahr, Monat, Wochentag und Feiertagen bestehen.

Eine zentrale Erkenntnis der Studie: Die erhöhten Einsatzzahlen hängen am stärksten mit der nächtlichen Mindesttemperatur und nicht mit der Tageshöchsttemperatur zusammen. Denn bleibt es auch nachts heiß, kann sich der Körper nicht erholen und abkühlen. So summiert sich die Belastung über mehrere Stunden und Tage.

Bei Kindern und Jugendlichen (0–18 Jahre) sowie bei Menschen zwischen 76 und 85 Jahren zeigten sich die stärksten Effekte. Insgesamt waren Frauen etwas stärker betroffen als Männer.

Ebenso interessant: Es war jeweils die erste Hitzewelle eines Sommers mit dem stärksten Anstieg an Einsätzen verbunden – auch stärker als spätere Hitzewellen im selben Jahr. Die Forscher:innen führen dies vermutlich auf eine fehlende Akklimatisierung zu Beginn der Saison zurück. Mit jedem weiteren Tag einer andauernden Hitzewelle stiegen zudem die Einsatzzahlen weiter an. Und auch nach Ende einer Hitzewelle blieb die Belastung noch bis zu 5 Tage lang erhöht.

Die Studienautor:innen empfehlen, regionale Hitze-Gesundheits-Warnsysteme stärker an der nächtlichen Mindesttemperatur auszurichten. Besonderes Augenmerk sollte auf die erste Hitzewelle der Saison, länger andauernde Hitzeperioden sowie die Tage nach Hitzewellenende gelegt werden – um Rettungsdienste gezielt vorzubereiten und Risikogruppen besser zu schützen.

Die Studie wurde im Fachjournal "Scientific Reports, Springer Nature" veröffentlicht.