Der erstmals vergebene WE&ME Award zählt zu den höchstdotierten privat finanzierten Forschungspreisen Österreichs und fördert Grundlagenforschung zur Multisystemerkrankung ME/CFS. Der Epidemiologe Matthias Wielscher konnte in einem kompetitiven Auswahlverfahren auf Basis internationaler Expert:innengutachten überzeugen: Sein Projekt erhält den WE&ME Award und wird mit einer Spende von der WE&ME Foundation an die alpha+ Stiftung in Höhe von 450.000 Euro finanziert. Zudem fördert der Wissenschaftsfonds FWF drei weitere Forschungsprojekte zu ME/CFS mit insgesamt 1,3 Millionen Euro.
"Wir freuen uns sehr über die Unterstützung durch die WE&ME Stiftung und den FWF. Diese Förderung gibt uns die Möglichkeit, unsere genetische Forschung zu ME/CFS konsequent weiterzuentwickeln. Unser Ziel ist es, genetisch unterschiedliche Krankheitsuntergruppen besser zu verstehen und damit die Grundlage für präzisere Diagnostik und zukünftige personalisierte Therapieansätze zu schaffen", erklärt Wielscher. Mit dem WE&ME Award werden er und Kathryn Hoffmann, als beteiligte Forscherin, im Projekt "Mechanistische Endotypen bei ME/CFS" die Heterogenität der Erkrankung aus zwei unterschiedlichen Perspektiven untersuchen und daraus biologisch sinnvoll definierte Untergruppen von Patient:innen ableiten. Das Projekt knüpft an die Ergebnisse eines Forschungsprojekts von Wielscher an, das 2024 von der WE&ME Stiftung und dem Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) gefördert wurde. In seinem ersten Projekt untersuchte er mit seinem Team sehr seltene genetische Varianten von ME/CFS. Nun will er häufige Varianten in den Blick nehmen, "also DNA-Veränderungen, die bei mehr als 5 % der Bevölkerung vorkommen und genetisch nochmals schwerer zu fassen sind", so Wielscher.
ME/CFS-Patient:innen unterscheiden sich nicht nur durch unterschiedliche Symptome, sondern auch durch biologische Mechanismen, die der Krankheit zugrunde liegen. Von einer genetischen Variante lassen sich nicht automatisch bestimmte Symptome ableiten. "ME/CFS gilt als eine sogenannte komplexe Erkrankung, bei der viele unterschiedliche Mutationen gemeinsam zum Erscheinungsbild beitragen", erläutert Wielscher. Über eine Kombination der Auswertung von klinischen wie auch genetischen Daten möchte man nun versuchen, Subtypen präziser zu identifizieren. "Abschließend werden wir diese neu definierten Untergruppen in DecodeME (im weltweit größten genetischen Datensatz für ME/CFS) suchen, um erneute genomweite Analysen durchzuführen", schildert er. Dadurch sollen sich genetische Zusammenhänge erkennen lassen, die in bisherigen Analysen aufgrund der großen Heterogenität verborgen geblieben sind.