"Long Covid ist definiert als infektionsassoziierte chronische Erkrankung, die nach einer SARS-CoV-2-Infektion auftritt und mindestens drei Monate anhält. Sie kann kontinuierlich verlaufen, schubweise mit Phasen von Rückfällen und Remissionen auftreten oder fortschreiten. Die Erkrankung betrifft dabei ein oder mehrere Organsysteme. Mehr als 27 % der Covid-19-Überlebenden haben anhaltende kognitive Einschränkungen. Kennzeichen sind Defizite in exekutiven Funktionen, Verarbeitungsgeschwindigkeit, Aufmerksamkeit, Gedächtnis sowie in visuell-räumlichen und sprachlichen Fähigkeiten", erklären die Forscher:innen in ihrer Fachpublikation, die kürzlich veröffentlicht wurde.
Martina Vanova und ihre Co-Autor:innen untersuchten, ob ein Programm mit telemedizinischem Training auf individuell festgelegte Ziele hin eine wirksame Intervention darstellt – im Vergleich zu einer Gruppe von Betroffenen mit Standard-Nachsorge. 78 Long-Covid-Erkrankte wurden in die Studie aufgenommen. Die Teilnehmer:innen planten für sie und ihre Situation persönliche Ziele für die kognitive Rehabilitation.
Anschließend wurden die Betroffenen per Zufall zwei Gruppen zugeordnet. Die eine wurde standardmäßig für Long Covid behandelt (TAU, treatment as usual). Die Maßnahmen variierten zwischen den Teilnehmer:innen und reichten von einer medikamentösen Symptomkontrolle (z.B. bei Kopfschmerzen und Angstzuständen) bis hin zu nicht medikamentösen Maßnahmen wie Physiotherapie und Fatigue-Management. Die andere Gruppe habe eine kognitive Rehabilitation erhalten, die aus zehn wöchentlichen telemedizinischen Sitzungen von jeweils einer Stunde bestand, um an drei ausgewählten individuellen Zielen zu arbeiten, wird in der wissenschaftlichen Arbeit berichtet. Nach drei und sechs Monaten wurde die Situation der Proband:innen erhoben.
Zu Beginn hatten die Teilnehmer:innen auf einer zehnteiligen Skala durchschnittlich nur 2,9 Punkte in Sachen Zielerreichung. Der mittlere Wert für die Zufriedenheit mit der eigenen Situation lag auf dieser Skala bei einem Wert von nur 2,2. Die Telemedizin-Sitzungen mit individueller Betreuung zeigten sich jedenfalls wirksam: Der Wert für die Zielerreichung in dieser Gruppe betrug im Schnitt nach drei Monaten 7,84 auf der zehnteiligen Skala, in der Vergleichsgruppe mit Standardbehandlung hingegen nur 4,97. Damit war der Wert in der Behandlungsgruppe im Mittel um den Faktor 2,88 besser – was einem großen Effekt entsprach. Auch nach sechs Monaten wurde noch ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen (um 1,72 Punkte) festgestellt. Die Studie wurde in der amerikanischen Ärztepublikation "JAMA" online veröffentlicht.