Hausärzt:in 7-8/2026
Ärzt:in Assistenz 2026

Liposuktion beim Lipödem?

Wann ist eine Liposuktion bei Lipödem gerechtfertigt? Neue Daten aus der LIPLEG-Studie belegen eine signifikante Schmerzlinderung gegenüber der konservativen Behandlung.

Das Lipödem ist eine schmerzhafte, chronische Fettverteilungsstörung, die nahezu ausschließlich Frauen betrifft. Wenn konservative Maßnahmen wie Kompressionstherapie, manuelle Lymphdrainage, Bewegung, Hautpflege und bei Übergewicht eine Gewichtsreduktion keine ausreichende Beschwerdelinderung erzielen, kommt eine Liposuktion als operative Behandlungsoption infrage. Lange fehlte jedoch hochwertige Evidenz zu Wirksamkeit und Sicherheit des Verfahrens.

Die multizentrische, randomisierte kontrollierte LIPLEG-Studie verglich die Liposuktion mit einer komplexen konservativen Entstauungstherapie. Eingeschlossen wurden 453 Patientinnen mit Lipödem der Beine (Stadium I bis III) und einer Schmerzintensität von mindestens 4 auf einer 10-Punkte-Skala. Nach einer konservativen Vorbehandlung wurden 410 Patientinnen im Verhältnis 2:1 einer Liposuktion oder einer fortgesetzten konservativen Therapie zugeteilt.

Der primäre Endpunkt, eine Reduktion der Beinschmerzen um mindestens 2 Punkte nach 12 Monaten, wurde von 68 % der operierten Patientinnen erreicht, gegenüber 8 % in der Kontrollgruppe. Auch hinsichtlich Hämatomneigung, körperlicher Gesundheit und Lebensqualität war die Liposuktion überlegen. Der Bedarf an begleitenden konservativen Maßnahmen nahm nach dem Eingriff ebenfalls ab.

Dem Nutzen stehen jedoch operationsbedingte Risiken gegenüber. Unerwünschte Ereignisse traten bei 47 % der operierten Patientinnen auf, am häufigsten postoperative Hämoglobinabfälle und Wundinfektionen. Schwerwiegende Ereignisse wurden bei 8 % dokumentiert, verglichen mit 3 % in der Kontrollgruppe.

Nach Einschätzung der Autor:innen handelt es sich um die erste multizentrische randomisierte Studie zur Liposuktion bei Lipödem. Einschränkungen ergeben sich unter anderem durch fehlende Standards sowohl für die operative als auch für die konservative Therapie. Zudem stehen Langzeitdaten zu Rezidiven, Folgeeingriffen und der Dauerhaftigkeit der Schmerzlinderung noch aus. Als möglicher Selektionsbias wird angeführt, dass sich überwiegend Frauen mit bestehendem Wunsch nach einer Liposuktion für die Studie meldeten. Ernährungstherapeutische Maßnahmen wurden im Studiendesign nicht berücksichtigt.

Auf Basis der Ergebnisse der vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) initiierten LIPLEG-Studie wurden die Voraussetzungen für die Kostenübernahme einer Liposuktion bei Lipödem in Österreich bereits präzisiert. Für eine Kostenübernahme durch die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) sind eine gesicherte Lipödem-Diagnose, der Ausschluss relevanter Differenzialdiagnosen und Begleiterkrankungen sowie die Abgrenzung zur Adipositas erforderlich. Darüber hinaus müssen eine mindestens sechsmonatige konservative Therapie und eine Gewichtsstabilität über die letzten sechs Monate dokumentiert sein.

Für Hausärzt:innen sind insbesondere die frühzeitige Differenzialdiagnostik, die Koordination notwendiger fachärztlicher Abklärungen sowie die Dokumentation konservativer Therapieversuche von Bedeutung. Die endgültige Indikationsstellung zur Liposuktion bleibt der operierenden Fachärzt:in vorbehalten