Hausärzt:in 12/2025
Ärzt:in Assistenz 2025

Krebs betrifft immer mehr Jüngere

Weltweit nehmen Krebserkrankungen bei jüngeren Erwachsenen zu, insbesondere Darm-, Brust-, Magen-, Bauchspeicheldrüsen- und Leberkrebs. Früherkennung und Prävention nehmen an Bedeutung zu.

Weltweit zeigen Zahlen zu Krebserkrankungen, dass immer öfter Menschen der Generation X und Millennials betroffen sind. Eva Schernhammer, Leiterin der Abteilung für Epidemiologie, Zentrum für Public Health, MedUni Wien erklärt: "Zu den Hauptrisiken zählen eine Ernährung mit vielen ultra-verarbeiteten Lebensmitteln, der frühe Einsatz von Antibiotika, Übergewicht, Bewegungsmangel, Alkohol und möglicherweise endokrine Disruptoren und andere Chemikalien". Laut WHO könnten daher 30-50 % aller Krebserkrankungen durch Lebensstilmaßnahmen, Impfungen oder Umweltfaktoren verhindert werden. 

Dieser Trend bestätigt sich auch in Österreich, in den Jahren 1996 bis 2020 traten insgesamt mehr als 56.000 Krankheitsfälle bei jungen Erwachsenen auf, am häufigsten Brustkrebs (47,3 %), Darmkrebs (12,8 %) und Lungenkrebs (11,3 %). Für Eva Schernhammer sind umfangreiche Präventionsmaßnahmen notwendig, um die zukünftige Belastung zu verringern. "Für einige Krebsarten – insbesondere für Darmkrebs – wurden aufgrund der steigenden Zahlen bereits Leitlinien geändert und frühere Vorsorgeuntersuchungen vorgeschlagen und auch umgesetzt".

Ein weiterer Faktor ist die genetische Disposition. Frauen mit erblichem Risiko bei Brustkrebs erkranken im Schnitt etwa 20 Jahre früher an Brustkrebs. Christian Singer, Leiter des Brustkrebszentrums am CCC erklärt: "Etwas mehr als 10 % aller Brustkrebserkrankungen treten familiär gehäuft auf. In wiederum etwa der Hälfte davon – rund 5–7 % aller Brustkrebserkrankungen – sind Mutationen in einem der beiden Brustkrebsgene BRCA-1 und BRCA-2 ("BReast CAncer"-Gene) ursächlich für die Erkrankung verantwortlich". Er empfiehlt als wesentlichen ersten Vorsorgeschritt bei familiärer Vorbelastung das genetische Beratungsgespräch durch entsprechend geschulte Fachärzt:innen für Gynäkologie und Geburtshilfe. Ist eine genetische Testung angebracht, können heute bis zu 18 verschiedene Krebsgene erkannt werden.

Bereits im jungen Erwachsenenalter infizieren sich die meisten Menschen, durch sexuelle Kontakte, mit dem HPV (Humanes Papillomavirus). Einige HPV-Typen, insbesondere HPV16, können viele Jahre nach der Infektion zur Entstehung von Krebs führen. Im HNO-Bereich betrifft dies vor allem Tumoren des Rachenraums. HPV-bedingte Rachentumoren nehmen seit Jahren deutlich zu und unterscheiden sich wesentlich von Tumoren, die durch Rauchen oder Alkoholkonsum verursacht werden. Sie sprechen in der Regel besser auf die Behandlung an. In vielen westlichen Ländern sind mittlerweile mehr als die Hälfte aller Rachentumoren auf eine HPV-Infektion zurückzuführen.  Männer erkranken insgesamt häufiger als Frauen. Ein wirksamer Schutz, auch vor HPV-bedingten Rachentumoren, bietet die Impfung. Sie ist am effektivsten vor dem ersten sexuellen Kontakt, wird jedoch für alle jungen Menschen empfohlen, vornehmlich auch für Jungen und Männer. Trotz ihres großen präventiven Potenzials sind die Impfquoten bislang noch zu niedrig, obwohl viele dieser Tumorerkrankungen vermeidbar wären. 

Für mehr Informationen lädt die MedUni Wien und AKH Wien, insbesondere junge Menschen zum Krebs-Vorsorgetag am 31. Jänner ein.