Der EU-Bericht basiert auf einem mehrjährigen offenen Koordinierungsprozess aller Mitgliedstaaten und bündelt internationale Evidenz sowie Good-Practice-Beispiele. Er verdeutlicht, dass kulturelle Aktivitäten zur Stressreduktion beitragen, das Wohlbefinden fördern und soziale Isolation mindern können und damit eine wichtige Rolle bei gesellschaftlichen Herausforderungen wie Einsamkeit und psychischer Gesundheit spielen.
Der neue Bericht fordert daher, Kultur als Gesundheitsfaktor in Strukturen, Zuständigkeiten und Finanzierung zu verankern. Als einen zentralen Umsetzungshebel nennt der Bericht Social Prescribing, die strukturierte Anbindung von Menschen mit psychosozialen Bedürfnissen aus der Gesundheitsversorgung an kulturelle, soziale und gemeinschaftliche Angebote. Ein Fokus sollte dabei auf besonders vulnerable Gruppen, wie älteren Menschen, Kindern und Jugendlichen, Personen mit psychischen Belastungen sowie bei sozialer Isolation liegen.
In Österreich läuft dazu ein Pilotprojekt zu Social Prescribing: Ärzt:innen vermitteln Patient:innen an speziell geschulte Fachkräfte. Diese helfen, die eigentlichen Belastungen zu erkennen und finden passende soziale Angebote, von der Schuldnerberatung bis zu Nachbarschaftshilfe. Die Vermittlung erfolgt überwiegend an psychosoziale Beratungsstellen: In der Primärversorgung betraf das 51,5 % der Fälle, in der Pädiatrie sogar 66,7 %. Sozial- und Rechtsberatung folgten mit jeweils rund einem Viertel. Bewegungsangebote, soziale Gruppenaktivitäten und berufliche Beratung spielten ebenfalls eine wichtige Rolle. Solche Fälle müssen deswegen nicht mehr in der kurzen Ordinationszeit alleine gelöst werden.
Die erste aktuelle Auswertung zeigt: Patent:innen sind zufrieden, werden gut vermittelt und Ärzt:innen spüren die Entlastung im Team. Daher, wenn Patient:innen mehrfach wegen Kopfweh oder anderen Beschwerden zur Ärzt:inn kommen, ohne dass eine Diagnose gefunden wird, steckt oft mehr dahinter. Hier ermöglicht Social Prescribing gezielte Beratung und unterstützt, die tatsächlichen Hintergründe zu erkennen.