Hausärzt:in 7-8/2026
Ärzt:in Assistenz 2026

Kortikosteroide als Risikofaktor für pulmonale Aspergillosen

Eine dänische Registerstudie legt nahe, dass inhalative und orale Kortikosteroide das Risiko für pulmonale Aspergillosen dosisabhängig erhöhen.

Die pulmonale Aspergillose ist eine seltene, jedoch mit einer hohen Sterblichkeit verbundene Lungeninfektion, die durch Aspergillus-Spezies verursacht wird. Zu den bekannten Risikofaktoren zählen chronische Lungenerkrankungen und eine Immunsuppression.

Für eine landesweite bevölkerungsbasierte Fall-Kontroll-Studie wurden alle Personen in Dänemark berücksichtigt, denen zwischen dem 1. Januar 1994 und dem 31. Dezember 2025 mindestens einmal ein inhalatives Arzneimittel zur Behandlung obstruktiver Lungenerkrankungen verordnet worden war. Die Forscher:innen identifizierten 1.351 Personen mit pulmonaler Aspergillose, wobei Fälle einer allergischen bronchopulmonalen Aspergillose (ABPA) ausgeschlossen wurden. Diesen wurden mittels Risk-Set-Sampling Kontrollpersonen im Verhältnis 1:5 zugeordnet, die hinsichtlich Alter, Geschlecht und Kalenderjahr übereinstimmend waren.

Zur Schätzung der adjustierten Inzidenzratenverhältnisse (aIRR) für die chronische pulmonale Aspergillose (CPA) und die invasive pulmonale Aspergillose (IPA) verwendeten die Autor:innen bedingte logistische Regressionsmodelle. Analysiert wurden verschiedene Dosiskategorien sowie Expositionszeiträume von jeweils 90 Tagen.

Insgesamt waren 43 % der Aspergillose-Fälle inhalativen Kortikosteroiden (ICS) ausgesetzt, verglichen mit 18 % der Kontrollpersonen. Für ICS zeigte sich ein dosisabhängiger Anstieg des Risikos für eine pulmonale Aspergillose. Das aIRR lag bei 1,7 für Dosen < 640 µg/Tag und bei 2,8 für Dosen ≥ 640 µg/Tag im Vergleich zu Personen ohne Exposition. Für die IPA war der Zusammenhang nur bei höheren Dosen statistisch signifikant (aIRR 5,1 bei ≥ 640 µg/Tag). Dieser Zusammenhang war signifikant ür Expositionen innerhalb von 90 Tagen vor dem Indexdatum, sowie für Expositionen zwischen 91 und 180 Tagen vor dem Indexdatum. Für weiter zurückliegende Expositionen von mehr als 180 Tagen bestand kein signifikanter Zusammenhang.

Eine Exposition gegenüber oralen Kortikosteroiden (OCS) lag bei 26 % der Fälle und bei 5 % der Kontrollpersonen vor. Die mediane OCS-Exposition betrug 5,6 mg/Tag Prednisolonäquivalent. Auch für OCS zeigte sich ein dosisabhängiger Risikoanstieg. Das aIRR betrug 3,0 bei Dosen ≤ 5,6 mg/Tag und 4,0 bei Dosen ≥ 5,6 mg/Tag im Vergleich zu Personen ohne OCS-Exposition.

Die Dosisabhängigkeit war bei der IPA besonders ausgeprägt. Im Vergleich zur CPA zeigte sich für Dosierungen oberhalb des Medians ein stärkerer und für Dosierungen unterhalb des Medians ein schwächerer Zusammenhang. Als mögliche Erklärung führen die Autor:innen an, dass für die Entstehung einer IPA eine höhere Anfälligkeit der Lunge erforderlich sein könnte als für die Entwicklung einer CPA. Niedrige ICS-Dosen könnten daher nicht ausreichen, um diese Schwelle zu überschreiten. Niedrige OCS-Dosen wären demnach möglicherweise nur in Kombination mit weiteren Risikofaktoren ausreichend, während höhere Kortikosteroid-Dosen zu einem deutlicheren Risikoanstieg führen. Diese Interpretation entspricht der derzeitigen Auffassung, dass die IPA überwiegend mit einer Immunsuppression assoziiert ist, während die CPA als multifaktoriell bedingte Erkrankung gilt.

Die möglicherweise lange Latenzzeit bis zum Auftreten einer Aspergillose nach einer OCS-Therapie sei bislang nicht ausreichend berücksichtigt worden. Zwar gehört die Erhebung der aktuellen Medikation zur klinischen Routine, eine systematische Erfassung von Medikamenten, die in den vorangegangenen sechs Monaten eingenommen wurden, erfolgt jedoch in der Regel nicht.

Die aktuellen Leitlinien der Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) empfehlen den Einsatz von ICS bei Patient:innen mit mindestens zwei moderaten oder einer schweren COPD-Exazerbation trotz Therapie mit langwirksamen Bronchodilatatoren. Darüber hinaus werden ICS empfohlen, wenn im vorangegangenen Jahr eine moderate Exazerbation aufgetreten ist und die Blut-Eosinophilenzahl zwischen 100 und 300 Zellen/µl liegt.

Die neue Studie legt jedoch nahe, dass bereits moderate ICS-Dosen mit einem erhöhten Aspergillose-Risiko verbunden sein können. Nach Einschätzung eines begleitenden Editorials werden derzeit neue Konsenskriterien für die Diagnose einer IPA bei COPD vorgeschlagen. Sobald diese routinemäßig angewendet werden, könne das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer Kortikosteroidtherapie bei COPD genauer bewertet werden. Bis dahin sei bei der Verordnung von Kortikosteroiden Vorsicht geboten.