Hausärzt:in 04/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Ärztemangel in Österreich: Basisausbildung wird zum Nadelöhr

Bei einer Pressekonferenz am Dienstag befasste sich die Österreichische Ärztekammer mit dem Ärztemangel und bezeichnete insbesondere die Basisausbildung als problematischen Flaschenhals im Übergang vom Studium in die klinische Praxis.

Die Wartelisten für Ausbildungsstellen in der ärztlichen Basisausbildung stellen aktuell einen wesentlichen Engpass im Übergang vom Medizinstudium in die klinische Tätigkeit dar, wie Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), erklärte.

Nach Abschluss des Studiums warten Absolvent:innen teils über ein Jahr auf den Beginn der neunmonatigen Basisausbildung, in Einzelfällen sogar deutlich länger. Parallel berichten viele junge Ärzt:innen von wiederholten Absagen. Ursächlich hierfür sind nicht formal begrenzte Ausbildungsplätze, sondern die an Budget und Dienstposten gebundenen personellen Kapazitäten der Krankenanstalten.

Die Österreichische Hochschüler:innenschaft (ÖH) fordert daher kurzfristige Maßnahmen zur Entschärfung dieses strukturellen Problems. Aktuell übersteigt die Zahl der Studienabgänger die verfügbaren Ausbildungsstellen deutlich. Besonders ausgeprägt sind die Wartezeiten etwa im Wiener Gesundheitsverbund (bis zu 22 Monate) sowie in Niederösterreich und anderen Bundesländern mit teils mehrjähriger Verzögerung.

Vor diesem Hintergrund gewinnt eine Tätigkeit im Ausland, insbesondere in Deutschland, an Attraktivität, da dort ein rascherer Einstieg in die klinische Ausbildung möglich ist. Bereits jetzt wird rund ein Drittel der in Österreich ausgebildeten Mediziner:innen nicht im österreichischen Versorgungssystem tätig. Neben der internationalen Herkunft, viele gehen in die Heimat zurück, tragen auch Arbeitsbedingungen und Wartezeiten maßgeblich dazu bei.

Die politische Forderung nach einer Ausweitung der Studienplätze wird daher kritisch gesehen. Ohne parallele Erweiterung der Ausbildungsstrukturen bestehe die Gefahr, primär den Abfluss von Absolvent:innen ins Ausland zu fördern.

Die Basisausbildung selbst wird hingegen von einem Großteil der in Ausbildung befindlichen Ärzt:innen positiv bewertet. Bis zu 80 % sprechen sich für deren Beibehaltung aus, da sie einen wertvollen Überblick über verschiedene Fachbereiche sowie ein interdisziplinäres Verständnis vermittelt.

Diskutiert wird derzeit politisch die teilweise Anrechnung des Klinisch-Praktischen Jahres (KPJ) auf die Basisausbildung. Diese Regelung soll ab Juni 2026 in Kraft treten, ist jedoch aus medizinisch-fachlicher sowie rechtlicher Sicht umstritten. Kritisiert wird insbesondere, dass Inhalte und Verantwortungsbereiche von KPJ und Basisausbildung nicht vergleichbar sind. Während das KPJ primär dem Erwerb praktischer Kompetenzen unter Supervision dient, ist die Basisausbildung bereits mit einer eigenständigeren ärztlichen Tätigkeit verbunden. Zusätzlich bestehen Unklarheiten hinsichtlich der konkreten Anrechnungsmodalitäten. Auch arbeits- und EU-rechtliche Aspekte werden als problematisch eingeschätzt. Daher warnt auch die Wiener Ärztekammer vor potenziellen negativen Effekten einer vorschnellen Umsetzung.

Insgesamt zeigt sich eine erhebliche Unzufriedenheit unter jungen Ärzt:innen, bedingt durch fehlende Ausbildungsplätze, zeitlichen Druck sowie unzureichende finanzielle Ressourcen. Vor diesem Hintergrund wird auch die politische Diskussion über verpflichtende Tätigkeiten im öffentlichen Gesundheitssystem kritisch beurteilt. Steinhart erklärt dazu: "Eine Zwangsverpflichtung von Medizinabsolventen ist absurd und keine Antwort auf die Unterfinanzierung im Gesundheitswesen".