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Kinderimpfquoten in der EU seit der COVID-19-Pandemie rückläufig

Die Impfquoten bei Kindern in der EU sind nach jahrzehntelangen Fortschritten seit der COVID-19-Pandemie in vielen Ländern wieder rückläufig. Eine Analyse von Daten aus 27 EU-Staaten zeigt insbesondere bei Impfungen gegen Polio, Haemophilus influenzae Typ b und Hepatitis B sinkende Trends.

Eine neue veröffentlichte Analyse der Impfquoten bei Kindern in 27 EU-Staaten zwischen 1980 und 2024 zeichnet ein zwiespältiges Bild. Zwar wurden in Europa in den vergangenen Jahrzehnten deutliche Fortschritte erzielt und vielfach hohe Durchimpfungsraten erreicht, seit der COVID-19-Pandemie beobachten die Autor:innen jedoch in zahlreichen Ländern einen besorgniserregenden Rückgang der Impfquoten. Das könnte langfristig die Herdenimmunität gefährden und das Risiko für Ausbrüche impfpräventabler Erkrankungen erhöhen.

Für die Studie wurden WHO-/UNICEF-Daten zur nationalen Impfabdeckung ausgewertet. Untersucht wurden sieben Standardimpfungen des ersten Lebensjahres gegen Diphtherie, Tetanus und Pertussis (DTP-3), Hepatitis B (HEPB-3), Haemophilus influenzae Typ b (HIB-3), Poliomyelitis (POL-3), Pneumokokken (PCV-3), Masern (MCV-1) und Röteln (RCV-1).

Langfristig zeigte sich bei 128 von 183 untersuchten Länder-Impfstoff-Kombinationen ein Anstieg der Durchimpfungsraten. Die Analyse der jüngsten Entwicklungen ergab jedoch ein anderes Bild. In den aktuellsten Beobachtungszeiträumen überwogen rückläufige Trends deutlich. Insgesamt wurden 119 sinkende und nur 64 steigende Entwicklungen festgestellt. In 16 EU-Ländern waren bei mindestens vier Impfstoffen rückläufige Trends zu beobachten. Österreich zeigte ein gemischtes Bild mit jeweils drei Impfungen mit steigender und drei mit sinkender Impfquote.

Im Jahr 2024 erreichten Luxemburg und Portugal bei allen sieben untersuchten Impfungen eine Durchimpfungsrate von mindestens 95 %. Am anderen Ende des Spektrums lag Rumänien, wo für sämtliche untersuchten Impfstoffe Impfquoten von unter 80 % verzeichnet wurden.

Besonders häufig waren jüngste Rückgänge bei den Impfungen gegen Haemophilus influenzae Typ b und Poliomyelitis zu beobachten, gefolgt von Hepatitis B sowie der DTP-Impfung. Vergleichsweise stabil entwickelten sich die Impfquoten gegen Masern und Röteln.

Auffällig ist, dass die meisten negativen Trendwechsel zwischen 2019 und 2022 begannen und damit zeitlich mit der COVID-19-Pandemie und deren Folgen zusammenfielen. Nach Einschätzung der Autor:innen könnten Einschränkungen der regulären Impfprogramme während dieser Zeit wesentlich zu den beobachteten Rückgängen beigetragen haben. Als weitere mögliche Faktoren werden unter anderem Fehlinformationen und Veränderungen im Vertrauen in Impfstoffe genannt. Die Studienautor:innen sehen daher Handlungsbedarf auf europäischer, nationaler und lokaler Ebene, um die Impfquoten wieder zu steigern und den Impfschutz der Bevölkerung langfristig zu sichern.