Hausärzt:in 01/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Hochrisiko-Medikamente bei Notaufnahme-Entlassung

Eine neue Studie zeigt, dass in den USA 6 % der älteren Menschen bei der Entlassung aus der Notaufnahme ein potenziell ungeeignetes Medikament (PIM) bekommen. 

Erste Daten gab es bereits 2024, danach werden mehr als 5 % der Patient:innen über 65 Jahre mit einer PIM aus der Notaufnahme entlassen. In der damaligen Studie wurden die Beers-Kriterien der American Geriatrics Society zur Klassifizierung zugrunde gelegt. In Österreich werden standardmäßig die Priscus- und die FORTA-Liste genutzt, diese enthalten Medikamente, die aufgrund hoher Risiken für ältere Menschen potenziell ungeeignet sind. 

Eine neue evidenz- und konsensusbasierte Empfehlung für die Verschreibung von Arzneimitteln für Patienten ab 65 Jahren in der Notaufnahme aus den USA sind die GEMS-Rx (Geriatric Emergency Medication Safety Recommendations). Darin wurden acht Arzneimittelgruppen identifiziert, bei denen Vorsicht angebracht ist: 

  • Benzodiazepine
  • skeletale Muskelrelaxanzien
  • Barbiturate
  • Antipsychotika der ersten Generation
  • Antihistaminika der ersten Generation
  • Metoclopramid
  • Sulfonylharnstoffe
  • Nicht-Benzodiazepin- und Benzodiazepin-Rezeptoragonist-Hypnotika

Der Verzicht auf diese Medikamente und die Verwendung von Alternativen kann unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei älteren Erwachsenen nach der Entlassung aus der Notaufnahme reduzieren. 

Die neue Studie nutzte die GEMS-Rx-Kriterien und ermittelte, dass etwa einer von 15 älteren Patient:innen ein Medikament verschrieben bekommen hat, das nicht empfohlen wird. Am häufigsten bekamen die 65- bis 74-Jährigen ein PIM verordnet, und die mit Abstand am häufigsten waren Muskelrelaxanzien und Antihistaminika der ersten Generation. 

Die GEMS-Rx-Liste enthält konkrete Vorschläge für eine sicherere Alternative. So könnten Muskel- und Skelettbeschwerden zuerst mit nicht medikamentösen Maßnahmen wie Wärme, Eis oder Massage behandelt werden, gefolgt von Paracetamol, einem kurzfristigen Einsatz von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), Lidocain-Pflastern oder Diclofenac-Gel.