Erste Daten gab es bereits 2024, danach werden mehr als 5 % der Patient:innen über 65 Jahre mit einer PIM aus der Notaufnahme entlassen. In der damaligen Studie wurden die Beers-Kriterien der American Geriatrics Society zur Klassifizierung zugrunde gelegt. In Österreich werden standardmäßig die Priscus- und die FORTA-Liste genutzt, diese enthalten Medikamente, die aufgrund hoher Risiken für ältere Menschen potenziell ungeeignet sind.
Eine neue evidenz- und konsensusbasierte Empfehlung für die Verschreibung von Arzneimitteln für Patienten ab 65 Jahren in der Notaufnahme aus den USA sind die GEMS-Rx (Geriatric Emergency Medication Safety Recommendations). Darin wurden acht Arzneimittelgruppen identifiziert, bei denen Vorsicht angebracht ist:
- Benzodiazepine
- skeletale Muskelrelaxanzien
- Barbiturate
- Antipsychotika der ersten Generation
- Antihistaminika der ersten Generation
- Metoclopramid
- Sulfonylharnstoffe
- Nicht-Benzodiazepin- und Benzodiazepin-Rezeptoragonist-Hypnotika
Der Verzicht auf diese Medikamente und die Verwendung von Alternativen kann unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei älteren Erwachsenen nach der Entlassung aus der Notaufnahme reduzieren.
Die neue Studie nutzte die GEMS-Rx-Kriterien und ermittelte, dass etwa einer von 15 älteren Patient:innen ein Medikament verschrieben bekommen hat, das nicht empfohlen wird. Am häufigsten bekamen die 65- bis 74-Jährigen ein PIM verordnet, und die mit Abstand am häufigsten waren Muskelrelaxanzien und Antihistaminika der ersten Generation.
Die GEMS-Rx-Liste enthält konkrete Vorschläge für eine sicherere Alternative. So könnten Muskel- und Skelettbeschwerden zuerst mit nicht medikamentösen Maßnahmen wie Wärme, Eis oder Massage behandelt werden, gefolgt von Paracetamol, einem kurzfristigen Einsatz von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), Lidocain-Pflastern oder Diclofenac-Gel.