Die IARC hat Hydrochlorothiazid, Voriconazol und Tacrolimus aufgrund epidemiologischer Studien und Krebs-Bioassays als für den Menschen karzinogen (Gruppe 1) eingestuft.
Hydrochlorothiazid ist ein verschreibungspflichtiges Thiazid-Diuretikum, das in erster Linie zur Behandlung der essenziellen Hypertonie eingesetzt wird. Obwohl Hydrochlorothiazid zunehmend durch neuere Medikamente ersetzt wird, bleibt es aufgrund der weltweit hohen Prävalenz von Bluthochdruck ein häufig verordnetes Arzneimittel. Studien zeigen ein erhöhtes Risiko für nicht-melanozytären Hautkrebs.
Voriconazol ist ein verschreibungspflichtiges Breitspektrum-Triazol-Antimykotikum, das zur Behandlung der invasiven Aspergillose und anderer schwerer Pilzinfektionen eingesetzt wird, die insbesondere bei Transplantationsempfängern häufig auftreten. Die Langzeitanwendung ist mit einem erhöhten Risiko für Hautkrebs assoziiert.
Tacrolimus ist ein immunsuppressives Arzneimittel, das hauptsächlich zur Verringerung des Risikos einer Organabstoßung bei erwachsenen und pädiatrischen Transplantationsempfängern sowie zur Prävention der Graft-versus-Host-Erkrankung nach allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation eingesetzt wird. Es erhöht das Risiko für die Entwicklung von Lymphomen und Hautkrebs.
Die Einstufung eines Wirkstoffs als karzinogen bedeutet nicht, dass bei jeder exponierten Person zwangsläufig eine Krebserkrankung auftritt. Für das tatsächliche Risiko sind vielmehr Faktoren wie Dosis, Therapiedauer, Expositionsart, Komorbiditäten sowie individuelle Suszeptibilität maßgeblich. Die Einstufung soll daher primär der Risikobewertung und -minimierung dienen und eine informierte Nutzen-Risiko-Abwägung ermöglichen, nicht jedoch den Einsatz wirksamer Therapien grundsätzlich infrage stellen.