Der Bedarf an einer wirksamen Prävention ist hoch. In Österreich erkranken jährlich schätzungsweise 30.000 bis 40.000 Menschen an Herpes Zoster. Epidemiologischen Daten zufolge entwickelt etwa jede dritte Person im Laufe ihres Lebens eine Gürtelrose.
Seit nahezu einem Jahr sehen sich, laut Wiener Ärztekammer, Ärzt:innen aber mit erheblichen Schwierigkeiten bei der Bestellung des Herpes-Zoster-Impfstoffs konfrontiert. Trotz der Aufnahme der Impfung in das kostenfreie Impfprogramm fehlen vielerorts ausreichende Impfstoffmengen sowie eine verlässliche Planung für die Versorgung der Patient:innen.
"Die Herpes-Zoster-Impfung stellt eine wichtige Präventionsmaßnahme für Menschen ab 60 Jahren sowie für definierte Risikogruppen dar. Sie schützt vor einer Erkrankung, die häufig mit erheblichen Schmerzen, langwierigen Verläufen und potenziellen Komplikationen verbunden ist", betont Johannes Steinhart, Präsident der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien. "Umso problematischer ist es, dass der angekündigte kostenlose Impfstoff derzeit nicht ausreichend und vor allem nicht verlässlich verfügbar ist."
Seit der Einführung der Herpes-Zoster-Impfung in das öffentliche Impfprogramm kritisiert die Ärztekammer mangelnde Transparenz bei Beschaffung und Verteilung der verfügbaren Impfstoffkontingente. "Im e-Impfshop werden immer wieder kurzfristig und teilweise ohne Vorankündigung geringe Mengen Impfstoff freigeschaltet. Für die Ordinationen ist dadurch keine planbare Impfversorgung möglich", erklärt Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien und Obfrau der Kurie niedergelassene Ärzte.
Besonders kritisch sieht die Wiener Ärztekammer die Situation bei Patient:innen, die bereits die erste Dosis erhalten haben und für einen vollständigen Impfschutz auf die zweite Dosis angewiesen sind. "Nach unserem derzeitigen Informationsstand gibt es weder eine transparente Bedarfserhebung noch einen nachvollziehbaren Plan für die Sicherstellung der Zweitimpfungen. Zudem bleibt unklar, welche Impfstoffmengen bis Jahresende tatsächlich zur Verfügung stehen werden", so Kamaleyan-Schmied.
Aus Sicht der Wiener Ärztekammer muss die Impfversorgung eine verlässliche Grundsäule des Gesundheitssystems darstellen. Die Aufnahme der Herpes-Zoster-Impfung in das kostenlose Impfprogramm sei grundsätzlich zu begrüßen und entspreche dem bestehenden Bedarf. Gleichzeitig sei nicht nachvollziehbar, weshalb die verfügbaren Daten nicht konsequenter genutzt würden. "Ärzt:innen dokumentieren sämtliche Herpes-Zoster-Impfungen im e-Impfpass. Vor diesem Hintergrund sollte es möglich sein, den tatsächlichen Bedarf präzise abzuschätzen und insbesondere die erforderlichen Zweitdosen gezielt zu planen und zu reservieren", sagt Kamaleyan-Schmied.
Das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK) weist die Kritik der Wiener Ärztekammer an der Versorgung und Verteilung der kostenlosen Herpes-Zoster-Impfung zurück. Seit dem Start des öffentlichen Impfprogramms seien bereits fast 900.000 Dosen des Impfstoffs bereitgestellt worden. Mit Stand 25. August 2026 seien rund 633.250 Impfungen im e-Impfpass dokumentiert. Weitere Impfstoffmengen befänden sich bereits im Ankauf.
Auch den Vorwurf mangelnder Transparenz weist das Ministerium zurück. Demnach finden alle zwei Wochen Gespräche mit Vertreter:innen der Bundesländer sowie der Ärztekammer statt, bei denen unter anderem die Versorgung mit Impfstoffen aus dem öffentlichen Impfprogramm thematisiert wird. "Wir stehen regelmäßig mit den Ländern und der Ärztekammer im Austausch und haben den Bestellprozess gerade wegen der hohen Nachfrage so gestaltet, dass möglichst viele impfende Einrichtungen zum Zug kommen", erklärt Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig.
Laut Ministerium wird bei größeren Lieferungen zunächst für jede impfende Einrichtung eine garantierte Bestellmenge reserviert, die über einen definierten Zeitraum abrufbar ist. Erst danach würden verbleibende Kontingente mit Bestelllimits freigegeben. Darüber hinaus könnten sich Einrichtungen, die zunächst keinen Impfstoff erhalten haben, auf eine Informationsliste setzen lassen und würden über weitere Bestellmöglichkeiten informiert.
Königsberger-Ludwig verweist zudem auf die Rahmenbedingungen des internationalen Impfstoffmarktes: "Der Gürtelrose-Impfstoff wird international produziert und am Weltmarkt eingekauft. Österreich bestellt laufend nach, ist aber von den verfügbaren Produktionsmengen abhängig. Gleichzeitig haben wir die Verantwortung, mit dem Steuergeld der Österreicher:innen sorgsam umzugehen. Wir können Impfstoff nicht in beliebiger Menge und zu jedem Preis am Weltmarkt einkaufen."
Das öffentliche Impfprogramm ist bis 2028 vorgesehen und bleibt für anspruchsberechtigte Personen kostenlos. "Wer eine Impfung möchte, bekommt sie. Dass zwischen einzelnen internationalen Lieferungen zeitweise nicht jede Ordination unmittelbar nachbestellen kann, bedeutet nicht, dass das Impfprogramm nicht funktioniert. Fast 900.000 bereitgestellte Dosen innerhalb weniger Monate zeigen das Gegenteil", so Königsberger-Ludwig abschließend.