Hausärzt:in 02/2024

JAK-Inhibitoren: Entwarnung hinsichtlich kardiovaskulärer Ereignisse

Nach den verunsichernden Ergebnissen der „ORAL-Surveillance“-Studie, bei der unter der Behandlung durch einen bestimmten Januskinase-Hemmer schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen identifiziert wurden, gibt es jetzt Entwarnung seitens Forscher:innen des Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin. 

Ergebnisse aus dem so genannten RABBIT-Register zeigen, dass Patient:innen unter Behandlung von JAK-Inhibitoren nicht häufiger schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse erleiden als jene, die andere Rheumamedikamente erhalten.

Insgesamt sind seit einigen Jahren vier Januskinase-Inhibitoren zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis (RA) und zunehmend auch für andere Formen von Gelenkrheuma im Einsatz. Nach Publikation der ORAL-Surveillance Studie wurde seitens der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) eine Sicherheitsprüfung eingeleitet. Seit März 2023 sollten JAK-Inhibitoren deshalb bei Vorliegen bestimmter Risiken nur noch eingesetzt werden, wenn keine geeigneten Behandlungsalternativen zur Verfügung stehen. Dies betrifft Patient:innen ab 65 Jahren mit erhöhtem Krebsrisiko und/oder schweren Herz-Kreislauf-Problemen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Vorgeschichte sowie Raucher:innen.

Die jetzt vom Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin (DRFZ) publizierten Ergebnisse aus dem RABBIT-Register zeigen, dass Patient:innen unter Therapie mit JAK-Inhibitoren nicht häufiger schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse erleiden als jene, die andere Rheumamedikamente erhalten. In das RABBIT-Register werden die Behandlungsdaten von Rheumapatient:innen aus ganz Deutschland aufgenommen. Die Analyse des DRFZ wiederum umfasst 14.203 Therapieepisoden von 7.988 Patient:innen. 3.058 Episoden wurden einem der vier JAK-Inhibitoren zugeordnet. Insgesamt erlitten 34 Patient:innen, die mit einem JAK-Inhibitor behandelt wurden, einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder ein tödliches Herz-Kreislauf-Ereignis. Für diese Gruppe wurde eine Inzidenz von 0,68 Ereignissen in 100 Personenjahren ermittelt. In den 3.694 Behandlungsepisoden, in denen ein TNF-Inhibitor zum Einsatz kam, wurden 45 kardiovaskluläre Ereignisse registriert. Die entsprechende Inzidenz betrug 0,62 Ereignisse auf 100 Personenjahre und unterschied sich somit nicht signifikant von der Inzidenz bei Patient:innen, die mit JAK-Inhibitoren behandelt wurden.

In die Auswertung sind weiters Informationen von 3.150 Therapieepisoden, bei denen andere Biologika als TNF-Inhibitoren zum Einsatz kamen und 4.301 Episoden von Therapien mit konventionellen Basismedikamenten wie Methotrexat eingeflossen. Hier kam es zu 35 beziehungsweise 41 schweren kardiovaskulären Ereignissen. Die Inzidenz lag damit bei 0,76 beziehungsweise 0,95 auf 100 Personenjahre.

Fazit der Forscher:innen: Für die aktuell mit JAK-Inhibitoren behandelten Patient:innen bedeuten die Daten des RABBIT-Registers, dass ein erhöhtes Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse durch die Rheuma-Medikamente nicht gezeigt werden konnte. Wichtig für die Vermeidung von Begleiterkrankungen sei, dass die rheumatische Erkrankung mit Hilfe einer wirksamen Therapie gut kontrolliert ist.

Die Studie wurde ist jetzt in der Zeitschrift RMD Open publiziert:

Risk of major adverse cardiovascular events in patients with rheumatoid arthritis treated with conventional synthetic, biologic and targeted synthetic disease-modifying antirheumatic drugs: observational data from the German RABBIT register