Eine ambulant erworbene Pneumonie (CAP) zählt trotz moderner diagnostischer und therapeutischer Möglichkeiten weiterhin zu den häufigsten infektionsbedingten Todesursachen. Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die bei Aufnahme bestimmte Eosinophilenzahl im peripheren Blut als einfacher prognostischer Marker für den weiteren Krankheitsverlauf dienen könnte.
Für die Analyse werteten die Forschenden Daten von 2.880 erwachsenen Patient:innen im Alter von 56 bis 78 Jahren aus, die im CAPNETZ-Netzwerk an deutschen Universitätskliniken behandelt wurden. Vollständige Datensätze zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Eosinophilenzahl und Behandlungsverlauf lagen für 1.673 Patient:innen vor. Mithilfe multivariater statistischer Modelle analysierte das Forschungsteam den Zusammenhang zwischen der Eosinophilenzahl bei Aufnahme sowie dem Bedarf an intensivmedizinischer Versorgung, invasiver Beatmung und der Dauer des Krankenhausaufenthalts.
Die Ergebnisse zeigen, dass Patient:innen mit einer Eosinophilenzahl von ≤ 10 Zellen/µl Blut signifikant häufiger intensivmedizinisch behandelt werden mussten als Patient:innen mit höheren Werten (14,2 % vs. 8,5 %). Zudem war in dieser Gruppe der Bedarf an künstlicher Beatmung erhöht, und die durchschnittliche Verweildauer im Krankenhaus fiel länger aus (10,2 vs. 9,0 Tage).
Besonders relevant für die klinische Praxis ist, dass keine zusätzliche Diagnostik erforderlich ist. Die Eosinophilenzahl wird im Rahmen des routinemäßigen Differenzialblutbildes bei stationär aufgenommenen Patient:innen mit Pneumonie ohnehin bestimmt. Der Parameter könnte daher ohne zusätzlichen Aufwand zur frühen Risikostratifizierung beitragen und eine gezieltere Planung von Monitoring, Therapie und Ressourcenallokation im Krankenhaus unterstützen.