Digoxin zählt zu den ältesten Wirkstoffen der kardiovaskulären Therapie, seine Rolle in der Behandlung der Herzinsuffizienz ist jedoch seit langem Gegenstand kontroverser Diskussionen. In der DIG-Studie (1997) zeigte Digoxin keinen Einfluss auf die Gesamtmortalität, jedoch eine signifikante Reduktion herzinsuffizienzbedingter Hospitalisierungen um 28 % als sekundären Endpunkt. Post-hoc-Analysen wiesen darauf hin, dass niedrigere Serumspiegel mit prognostischem Nutzen assoziiert sind, während höhere Spiegel mit ungünstigen Outcomes korrelieren.
Vor diesem Hintergrund wurde die randomisierte, doppelblinde DECISION-Studie initiiert, um den Effekt einer niedrig dosierten Digoxin-Therapie auf kardiovaskuläre Endpunkte bei bereits leitliniengerecht behandelten Patient:innen zu untersuchen. Eingeschlossen wurden Patient:innen mit symptomatischer leichter bis moderater Herzinsuffizienz und einer linksventrikulären Ejektionsfraktion < 50 %. Die Randomisierung erfolgte zu Digoxin (Ziel-Serumspiegel 0,5–0,9 ng/ml) oder Placebo. Sowohl Patient:innen im Sinusrhythmus als auch mit Vorhofflimmern wurden eingeschlossen.
Insgesamt wurden 1.001 Patient:innen randomisiert (mittleres Alter 73 Jahre, 28 % Frauen, 29 % Vorhofflimmern). Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 36,5 Monaten zeigte sich keine signifikante Reduktion des primären kombinierten Endpunkts (kardiovaskulärer Tod und Verschlechterung der Herzinsuffizienz) unter Digoxin. Numerisch war die Ereignisrate jedoch geringer (238 vs. 291 Ereignisse). Auch die Gesamtzahl der Herzinsuffizienzverschlechterungen war reduziert, ohne statistische Signifikanz zu erreichen. Die kardiovaskuläre Mortalität war vergleichbar zwischen beiden Gruppen. Insgesamt erwies sich die niedrig dosierte Digoxin-Therapie als gut verträglich und sicher.
Die DIGIT-HF-Studie, die Digitoxin bei Patient:innen mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz untersuchte, konnte hingegen eine Reduktion des kombinierten Endpunkts aus Gesamtmortalität und herzinsuffizienzbedingter Hospitalisierung zeigen.
Ergänzend zeigte eine Metaanalyse der Studien DECISION, DIGIT-HF und DIG (n = 9.013) einen signifikanten Nutzen von Digitalisglykosiden hinsichtlich des kombinierten Endpunkts aus kardiovaskulärem Tod oder erster Herzinsuffizienzverschlechterung. Dieser Effekt war primär auf eine Verzögerung der ersten Dekompensation zurückzuführen und unabhängig von Studiendesign, Behandlungsdauer oder Substanz. Auch unter bestehender leitliniengerechter Therapie blieb der Effekt erhalten.
Eine weitere Analyse zur Therapieunterbrechung zeigte, dass das Absetzen von Digoxin mit einer klinischen Verschlechterung einhergeht. Innerhalb von sechs Wochen nach Absetzen traten signifikant mehr kardiovaskuläre Ereignisse im Vergleich zur Placebogruppe auf.
Die Autor:innen erklären, dass niedrig dosierte Digitalisglykoside bei Patient:innen mit Herzinsuffizienz und (mild) reduzierter Ejektionsfraktion eine potenziell sinnvolle Add-on-Therapie darstellen. Sie sind kostengünstig, gut verträglich und einfach anzuwenden. Ein besonderes Augenmerk sollte auf eine vorsichtige Beendigung der Therapie gelegt werden.