"Typ-2-Diabetes (T2D) entsteht durch das Zusammenspiel genetischer Veranlagung und eines ungesunden Lebensstils, deren kombinierte Auswirkungen jedoch noch nicht ausreichend erforscht sind. Wir untersuchten, ob ungesunde, veränderbare Verhaltensweisen mit einem ähnlich erhöhten Risiko für die Entwicklung von T2D bei Personen mit unterschiedlichem genetischem Risiko einhergehen", berichteten Cassandra Spracklen von der Universität des US-Bundesstaats Massachusetts und ihre Co-Autor:innen.
Die Forscher:innen werteten die Langzeitdaten von 332.251 Menschen aus, deren Gesundheitsdaten in der britischen "Biobank" verzeichnet sind. Die Teilnehmer:innen waren zu Beginn durchschnittlich 55 Jahre alt und hatten keinen Typ-2-Diabetes. Zudem wurde ihr Blut auf genetische Veränderungen untersucht. Danach wurden die Probanden zu je einem Drittel in eine Gruppe mit hohem, mittlerem oder niedrigem genetischen Risiko eingeteilt. Das gleiche Vorgehen erfolgte unter Einrechnung der Lebensstilfaktoren: Rauchen, Gewicht (BMI), körperliche Aktivität und Ernährung. Im gesamten Beobachtungszeitraum, von im Schnitt 13,6 Jahren, wurde bei 4 % der Teilnehmer:innen ein neu auftretender Diabetes diagnostiziert.
Die Studie lieferte eindeutige Ergebnisse: Ein hohes genetisches Risiko versus einem niedrigen genetischen Risiko für Typ-2-Diabetes führte zu einer um den Faktor 2,58 größeren Häufigkeit, daran zu erkranken. Doch die "Umwelt" in der Form von Lebensstilfaktoren war - allein genommen - viel wichtiger: Ein Körpergewicht im oberen Drittel der Teilnehmer:innen brachte im Vergleich zu Gewicht im unteren Drittel ein um den Faktor 6,83 größeres Risiko für Diabetes hervor. Bei einem ungesunden Lebensstil und einem höheren genetischen Risiko war die Auswirkung noch größer: Ein niedriges genetisches Risiko und ein ungesunder Lebensstil führten im Vergleich zu einer niedrigen genetischen Gefährdung und einem gesunden Lebensstil eine 7,11-fach größere Häufigkeit von Diabetes. Genetische Veränderungen, die mit einer starken Neigung zu Typ-2-Diabetes in Verbindung stehen, plus ein ungesunder Lebensstil bedeuteten gar das 17,33-fache Risiko für Typ-2-Diabetes.
Laut den Forscher:innen dürfte das Verhältnis zwischen Lebensstil und Genetik bei der Begünstigung des Entstehens von Typ-2-Diabetes bei 55 zu 45 % liegen. "Insgesamt stützen unsere Analysen die Annahme, dass zwar die Genetik eine wichtige Rolle für das Risiko, an T2D zu erkranken, spielt, Lebensstilfaktoren jedoch eine wesentlich größere Rolle einnehmen, insbesondere der Body-Mass-Index (BMI). Darüber hinaus konnten wir zeigen, dass Personen mit jedem Grad an genetischem Risiko ihr Erkrankungsrisiko durch veränderbare, gesunde Lebensstilgewohnheiten erheblich senken können", so die Wissenschafter:innen.
Die Studie wurde im Fachjournal "Diabetes" veröffentlicht.