Allergische Sensibilisierung wird traditionell als weitgehend stabile Eigenschaft angesehen. Zunehmende Evidenz deutet jedoch darauf hin, dass sie im Lebensverlauf Veränderungen unterliegt. Ziel der neuen Studie war es, longitudinale Evidenz zur allergischen Sensibilisierung und ihren assoziierten Faktoren in der Allgemeinbevölkerung zu untersuchen.
Die Sensibilisierung gegenüber Aeroallergenen wurde in einer bevölkerungsbasierten Kohorte in Österreich mithilfe wiederholter Haut-Pricktests (SPT) über drei Untersuchungszeitpunkte hinweg erfasst (mittlerer Intervall: 4,25 ± 0,33 Jahre). Die longitudinalen Verläufe wurden in fünf Kategorien eingeteilt: stabil nicht sensibilisiert, stabil sensibilisiert, neu aufgetreten, rückläufig sowie fluktuierend. Analysiert wurden demografische, metabolische, verhaltensbezogene, umweltbedingte und immunologische Einflussfaktoren in den Altersgruppen < 18 Jahre, 18 bis < 40 Jahre, 40 bis < 60 Jahre sowie ≥ 60 Jahre.
Unter 5.046 Personen mit Nachbeobachtung und gültigem SPT bei allen drei Visiten blieben 54,4 % stabil nicht sensibilisiert und 30,6 % stabil sensibilisiert; 5,6 % zeigten eine Rückbildung, 4,8 % ein Neuauftreten und 4,6 % eine fluktuierende Sensibilisierung. Ein Neuauftreten trat erwartungsgemäß überwiegend bei < 18-Jährigen auf, Fluktuationen bei 18- bis < 60-Jährigen und Rückbildungen bei ≥ 60-Jährigen, was darauf hinweist, dass Sensibilisierung veränderbar und zeitabhängig ist. Stabile Sensibilisierung war stark mit elterlichen Allergien und Blut-Eosinophilen assoziiert, während kumulatives Rauchen die Wahrscheinlichkeit moderat verringerte. Fluktuationen standen im Zusammenhang mit Adipositas (bei Erwachsenen ≥ 40 Jahre) und Umweltexpositionen. Eine aeroallergenspezifische Analyse zeigte, dass neu auftretende Sensibilisierungen durch Außenallergene (Ambrosia, Baumpollen und Haustiere) getrieben wurden, wohingegen Fluktuationen durch saisonale Pollen bestimmt wurden.
Obwohl überwiegend stabil, ist die allergische Sensibilisierung dynamisch und zeigt erhebliche zeitliche Variabilität. Rückbildung und Fluktuation treten in allen Altersgruppen auf und neue Sensibilisierungen können auch im Erwachsenenalter entstehen. Diese Ergebnisse stellen die traditionelle Auffassung einer fixen Sensibilisierung infrage und legen nahe, dass es sich um einen veränderbaren Phänotyp handelt, der durch Alter sowie Umwelt- und Lebensstileinflüsse geprägt wird.