Multimorbidität bezeichnet das gleichzeitige Vorliegen mehrerer chronischer Erkrankungen. Die Definition ist jedoch nicht einheitlich. Während einige Fachgruppen Multimorbidität erst ab drei oder mehr chronischen Diagnosen annehmen, sprechen andere bereits ab zwei chronischen Erkrankungen, ggf. in Kombination mit spezifischen Symptomkonstellationen, von Multimorbidität. Entsprechend variieren die berichteten Prävalenzen in Abhängigkeit von der zugrunde liegenden Definition.
Daten des Schweizer Praxisnetzwerks zeigen, dass der Anteil multimorbider Patient:innen (≥3 chronische Erkrankungen) in hausärztlichen Kollektiven mit zunehmendem Alter deutlich ansteigt: von 25,5 % in der Altersgruppe 41–60 Jahre auf 51,9 % (61–80 Jahre) und 67,3 % bei über 80-Jährigen. Diese ausgeprägte Altersabhängigkeit wird durch weitere epidemiologische Studien bestätigt.
Zudem weisen Studien darauf hin, dass Frauen häufiger betroffen sind als Männer, Multimorbidität vermehrt in sozioökonomisch benachteiligten Bevölkerungsgruppen vorkommt und somatische chronische Erkrankungen häufig mit psychischen Komorbiditäten assoziiert sind.
Zu den häufigsten Erkrankungen im Rahmen multimorbider Konstellationen zählen kardiovaskuläre Erkrankungen, muskuloskelettale Erkrankungen, metabolische Störungen, psychische und psychosomatische Erkrankungen sowie Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD.
Multimorbidität stellt ein heterogenes Krankheitsbild dar, das sich durch unterschiedliche Krankheitskombinationen, Schweregrade und Versorgungsbedarfe auszeichnet. Die Leitlinie fokussiert daher auf den generellen Umgang mit multimorbiden Patient:innen und nicht auf spezifische Erkrankungskombinationen.
Eine strikt krankheitsspezifische leitliniengerechte Therapie kann in dieser Patientengruppe potenziell zu Risiken führen, insbesondere durch Polypharmazie sowie inkonsistente oder konkurrierende Therapieempfehlungen. Ohne klare Koordination zwischen den beteiligten Leistungserbringern besteht zudem die Gefahr von Überversorgung sowie eines Verlusts der individuellen Patientenpräferenzen im Behandlungsprozess.
Neben der Arzneimitteltherapiesicherheit wurden unter anderem auch die Bereiche Schmerzmanagement, sowie Harninkontinenz, inhaltlich aktualisiert.
Ein zentrales Element ist die patientenzentrierte Versorgung, die eine strukturierte Arzt-Patienten-Kommunikation sowie partizipative Entscheidungsfindung mit gemeinsamer Zieldefinition erfordert. Entsprechend sollte für diese Prozesse ausreichend Zeit eingeplant werden.
Die Living Guideline zielt insbesondere darauf ab, Hausärzt:innen in der Versorgung multimorbider Patient:innen zu unterstützen, richtet sich jedoch auch an mitbehandelnden Fachärzt:innen.