Hausärzt:in 01/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Adipositas erhöht Risiko für schweren Infektionsverlauf

Eine neue Studie analysierte den Einfluss von Adipositas auf den Verlauf von Infektionskrankheiten und das Risiko einer Hospitalisierung. 

Während der COVID-19-Pandemie hatten adipöse Menschen im Vergleich zu Normalgewichtigen ein erhöhtes Risiko, mit einer SARS-CoV-2-Infektion im Krankenhaus behandelt zu werden oder zu versterben. Um zu klären, ob diese Assoziation auch bei anderen Infektionskrankheiten besteht, wurden Gesundheitsdaten zweier finnischer Datenbanken sowie der britischen UK Biobank ausgewertet. 

Die prospektive Multikohortenstudie kam zu dem Ergebnis, dass Menschen mit Adipositas im Vergleich zu Normalgewichtigen ein erhöhtes Risiko für schwere Infektionskrankheiten sowie für infektionsbedingte Krankenhauseinweisungen und Sterblichkeit haben. Das Risiko stieg dabei mit dem Schwerergrad der Adipositas: Bei Adipositas Grad 1 war es etwa 1,5-fache erhöht, bei Grad 2 um das Doppelte und bei Grad 3 auf das 3-fache. Andere Faktoren wie Geschlecht, Alter oder sozioökonomischer Status, sowie Infektionsverläufe und -erreger beeinflussten dieses Ergebnis kaum.

Die Autor:innen erklären: "Es ist plausibel, dass Adipositas die Fähigkeit des Immunsystems schwächt, sich gegen infektiöse Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilze zu verteidigen, was zu schwereren Krankheitsverläufen führen kann". Mögliche Gründe sind Faktoren, die mit Adipositas einhergehen, wie etwa ein nährstoffreiches Milieu, das das Überleben von Mikroorganismen begünstigt, sowie Insulinresistenz, Überzuckerung und chronische leichte Entzündungen. Die Studienautor:innen erklären jedoch auch, dass aus den Daten zwar der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Infektionsrisiko hervorgeht, aber nicht die genauen Gründe dafür.

In einer Modellrechnung wendeten die Forscher:innen die Ergebnisse auf Sterblichkeitsdaten aus der Global Burden of Disease (GBD)-Studie an. Demnach war im Jahr 2023 etwa jeder 10. infektionsbedingte Tod weltweit einer Adipositas zuzuschreiben. In Deutschland stehen damit etwa 14,7 % der infektionsbedingten Todesfälle mit Adipositas in Zusammenhang und in den USA sogar 25,7 %.